Whisky-Test: Talisker Port Ruighe

Talisker Port Ruighe
Winterwhisky: Der Talisker Port Ruighe glänzt durch ausgeprägte Portweinnoten, Rauch und Chilischärfe.

„Made by the Sea“ lautet der Slogan von Talisker, der einzigen Brennerei auf der Insel Skye, hoch oben im zerklüfteten Norden Schottlands. Dieser Slogan ist nicht zufällig gewählt, sondern spiegelt den Charakter der Brennerei und den seiner Malts bestens wider. Auf den Talisker Port Ruighe* trifft der Bezug auf das Meer gleich in zweifacher Weise zu: Einerseits wegen seines Geschmacks. Andererseits ist der er eine Hommage an die Seefahrt und die Geschichte der Talisker Distillery. Es lohnt sich, diese besondere Abfüllung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Talisker liegt auf der Isle of Skye, einer kargen Insel, deren Felsen von Wind, Wetter und dem Meer in markante Formen geschliffen werden. Eingebettet zwischen zwei Hügeln, die sich bis zum Atlantischen Ozean hinunterziehen, liegt die Brennerei direkt an der Küste. „Made by the Sea“ bezieht sich aber nicht nur auf die Lage der Brennerei an der stürmischen See, sondern ohne Zweifel auch auf den Charakter ihrer Whiskys. Das raue Klima, das torfige Wasser, das rostrot die Hügel hinabläuft, und der Einfluss der See – all das glaubt man zu schmecken, wenn man einen Talisker genießt. Die Whiskys der Destillerie zeichnen sich durch ihr Raucharoma, ihre Vollmundigkeit und vor allem durch den berühmt-berüchtigten „Chilli-Catch“ aus, jene markante Pfeffer- und Chillischärfe, die müde Geister belebt und die Zunge zum Beben bringt.

Eine Hommage an die schottischen Seefahrer

Der Port Ruighe (sprich: „Port Ree“) zählt seit 2013 zum Kernsortiment von Talisker. Laut Destillerie ist er eine Hommage an die schottischen Kaufleute des 19. Jahrhunderts, die per Schiff Portwein von Portugal nach Schottland brachten. Portwein erfreute sich damals großer Beliebtheit auf der gesamten britischen Insel – dementsprechend hoch war der Verbrauch. War ein Fass leergetrunken, wurde es aber nicht einfach entsorgt. Ganz im Gegenteil: Schon damals setzten die findigen Schotten auf Recycling im besten Sinne. Denn bereits früh erkannten sie, dass Whisky eine Menge neuer Aromen aufnimmt, wenn man ihn in ausgedienten Portweinfässern lagert. Auch die 1832 gegründete Brennerei Talisker reifte ihre Malts zu Anfangszeiten in eben diesen Portweinfässern. Darauf nimmt der Port Ruighe direkten Bezug, denn man hat ihm ein Finish in ausgesuchten Portweinfässern verpasst. Diese Nachreifung tut dem Brand gut und verleiht ihm neue Geschmacksnoten, die man so von Talisker bisher noch nicht kannte. Schenken wir uns also ein Dram ein!

Wie schmeckt der Talisker Port Ruighe?

Aussehen

Im Glas leuchtet der Port Ruighe in warmen, rotbraunen Kupfertönen. Schon in der Farbe ist der Einfluss des Portweinfasses deutlich zu erkennen, der sich in der Nase grandios fortsetzt.

Geruch

Zunächst einmal steigt mir ein weicher Rauch in die Nase. Allerdings dezenter, als man es von anderen Talisker-Whiskys gewohnt ist. Das Raucharoma des Port Ruighe erinnert mich eher an die Whiskys von Bowmore mit ihren flauschigen Rauchschwaden, die einem um die Nase wehen – nur dass der Rauch beim Port Ruighe doch noch eine Nuance dunkler und schwerer ist. Was außerdem positiv auffällt: Der Rauch verdeckt die übrigen Aromen nicht, sondern lässt ihnen genügend Spielraum, sich zu entfalten. So kommt das Port-Finish durch satte, süße Rotweinaromen voll zur Geltung. Dazu gibt es noch Aromen von roten Früchten sowie etwas Malz zu entdecken.

Ein paar Tropfen Wasser entlocken dem Whisky zudem betörende Kräuteraromen. Zum Schluss verbinden sich salzige Noten und eine cremige Karamellsüße zu herrlichem Salzwassertoffee – eine Süße, die das wärmende Bouquet perfekt abrundet.

Geschmack

Ähnlich spektakulär geht es im Mund weiter. Der Antritt ist vollmundig, kräftig und würzig. Schon gibt er sich die Ehre, der typische Pfefferkick, den Talisker-Fans so lieben. Nachdem sich die Schärfe gelegt hat, treten im Mittelteil dunkle Früchte in den Vordergrund, die durch etwas Süße abgerundet werden. 

Abgang

Der Abgang ist schließlich trocken und angenehm wärmend. Die Pfefferschärfe vom Anfang klingt noch etwas nach, verfliegt aber bald. Zum Schluss bleiben vor allem weicher Rauch, Getreidenoten und Kakaopulver lange am Gaumen hängen.

Wer sollte den Talisker Port Ruighe kaufen?

Der Port Ruighe ist ein durch und durch gelungener Whisky, der den Slogan und den Charakter von Talisker verkörpert und dennoch Neues bietet. Einerseits ist er durch seine Rauchigkeit und den berühmt-berüchtigten Pfefferkick ein typischer Talisker. Andererseits verleihen ihm die üppigen Fruchtnoten, die er aus dem Portweinfass zieht, eine gewisse Individualität. Für mich ist der Talisker Port Ruighe der perfekte Whisky zum Aufwärmen und Wiederbeleben nach einem Winterspaziergang in der Kälte.

Wer gerne rauchige Whiskys mag und auf Portweinnoten steht, für den ist der Port Ruighe die perfekte Wahl. Vergleichbar vom Charakter her ist der 15-jährige Bowmore – ebenfalls ein dezent-rauchiges Weinvergnügen. Ein Bonuspunkt ist der extrem faire Preis: Für unter 40 Euro bekommt man eine Menge Whisky. So ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis findet man selten – klare Kaufempfehlung!

Hier könnt Ihr den Talisker Port Ruighe kaufen*.

Die harten Fakten

Spirituose Talisker Port Ruighe
Herkunft Talisker Distillery, Isle of Skye, Schottland
Sorte Single Malt Whisky
Alkoholgehalt 45,8 Vol.-%
Alter keine Angabe
Reifung Bourbon- und Portwein-Fässer
Fazit Rundum gelungener, rauchiger Winterwhisky mit üppiger Frucht aus dem Portweinfass und typischem Talisker-Pfefferkick.

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