Whisky-Test: St. Kilian One – Der erste Single Malt aus Rüdenau

Eine Flasche St. Kilian One
St. Kilian One – der erste Single Malt Whisky aus Rüdenau

So Leute, heute gibt’s wieder mal Whisky – und zwar einen ganz besonderen. Ich probiere heute den St. Kilian One, den ersten Single Malt Whisky von den St. Kilian Distillers aus Rüdenau. Auf den haben deutsche Whisky-Fans fingernägelkauend gewartet. Denn die gerissenen Marketing-Asse von St. Kilian haben die Spannungsschrauben bis zum Zerbersten angedreht. Über drei Jahre hinweg haben sie immer neue Zwischenstände auf dem Weg zum Whisky veröffentlicht. Insgesamt sieben Malzbrände, die „Spirits of St. Kilian“, haben uns die Wartezeit versüßt – und uns gleichzeitig neugierig auf den fertigen Single Malt gemacht.

Tatata taaa! Im Mai 2019 war es dann endlich soweit. Nachdem der auserkorene Spirit drei Jahre lang im Holz geschlummert hat, wurde er als St. Kilian One abgefüllt. Wie der erste Single Malt Whisky aus Rüdenau geworden ist, sehe ich mir im folgenden Tasting an.

Ausgeklügelte Fass-Auswahl für den St. Kilian One

Natürlich wollten die Rüdernauer Brenner ihrer Fan-Base nicht nur irgendeinen Whisky kredenzen. Deshalb stammt der Whisky für den St. Kilian One nicht nur aus zwei oder drei, sondern aus stolzen fünf verschiedenen Fass-Typen. Jede Flasche des Single Malts setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • 37% Bourbon-Fässer: Ein Klassiker, denn die meisten Whiskys der Welt reifen in Fässern, die ehemals amerikanischen Bourbon enthielten. Bourbon-Fässer sorgen typischerweise für süße Geschmacksnoten wie Vanille und Karamell.
  • 37% Rum-Fässer: Rum-Fässer werden weit seltener zur Whisky-Lagerung verwendet, sorgen aber meist für fruchtige Exotik.
  • 18% PX-Sherry-Fässer: Ein weiterer Klassiker. Fässer, in denen zuvor üppig-süßer Pedro Ximénes Sherry lagerte, sind beliebt für die Whisky-Reifung. Sie verleihen dem Whisky einen süß-fruchtigen Geschmack nach roten Beeren, Trockenobst und Sirup.
  • 5% Kastanienfässer: Jetzt wird’s wild. Denn die Verwendung Kastanienholz für die Whisky-Reifung ist nicht überall erlaubt. In Schottland und den USA z.B. darf Whisky per Gesetz nur in Eichenfässern lagern.
  • 3% Bourbon-Quarter-Casks: Das sind Bourbon-Fässer, die zuerst auseinandergebaut und dann wieder zu kleineren Fässern zusammengesetzt wurden. Während normale Bourbon-Fässer ca. 200 Liter fassen, passen in Quarter-Casks nur 125 Liter. Deshalb geben sie in kürzer Zeit mehr Geschmack an den Whisky ab.

Nach dieser kleinen Fasskunde sind wir bereit, den St. Kilian One zu probieren. Los geht’s:

Wie schmeckt der St. Kilian One?

Aussehen

Der Whisky selbst hat eine etwas schmutzige, strohgelbe Färbung. Und lasst uns kurz über die Flasche reden. Ich habe nur das süße, kleine Probierfläschchen zur Hand. Doch die 0,5l-Flasche kommt im extravaganten Pot-Still-Design daher. Die Flasche, die aussieht wie eine Brennblase, ist freilich Geschmackssache. Mir persönlich gefällt sie nicht, zumal dieses extravagante Design vermutlich den Preis nach oben treibt.

Geruch

Zuerst zieht mir die volle Portion Birne in die Nase. Der St. Kilian One riecht insgesamt süß und fruchtig. Zu den reifen Birnen kommen später noch Apfel und Sahnebonbons hinzu. Leider drängt sich aber immer wieder der Alkohol, die alte Rampensau, rabiat aus der zweiten Reihe nach vorn. Man merkt, dass dieser Whisky noch ein Jungsporn ist, der gerade mal drei Jahre auf dem Buckel hat.

Geschmack

Im Mund passiert so einiges, denn der St. Kilian One entfaltet ein Potpourri aus Fassnoten. Insgesamt ist der Whisky süß-fruchtig mit einigen würzigen Akzenten. Die Bourbon-Fässer tragen Popcornsüße und Karamell bei, aber sicher auch eine gewisse Eichenwürze. Die wird verstärkt durch die Quarter-Casks, in denen zwar nur 3 Prozent des Whiskys reiften, die aber definitiv ihren würzig-trockenen Beitrag leisten. Die Sherry- und Rum-Fässer sorgen derweil für ein paar süße Fruchtnoten (Birne, Apfel, Mango). Abgerundet wird der Geschmack durch eine freche Chili-Schärfe und etwas Kaffee.

Abgang

Seidig weich und nussig mit einem nicht unangenehmen Hauch von Alkohol und einiger Eichenwürze, die leicht bitter am Gaumen verweilt. Ganz am Ende schmeckt der St. Kilian One nach Apfel-Kerngehäuse, was den fruchtigen Schlusspunkt bildet.

Wer sollte den St. Kilian One kaufen?

Wer sich in den letzten Jahren den einen oder anderen Spirit of St. Kilian gekauft und damit die Wartezeit bis zum fertigen Whisky überbrückt hat, sollte den St. Kilian One auf jeden Fall nicht verpassen. Denn dafür muss man die Rüdenauer loben: Die Marketingmaschine läuft und dreht die Spannungsschrauben konstant an. Das (erste) Ziel, auf das die Brennerei jahrelang hingearbeitet hat, ist der St. Kilian One – und der ist durchaus gelungen.

Klar, der Whisky ist noch recht jung. Gerade mal drei Jahre hat er auf dem Buckel. Das merkt man ihm stellenweise auch an. Denn manchmal kommt der St. Kilian One noch stürmisch und etwas tollpatschig daher. Der Alkohol mag sich nicht so recht einfügen – der Frechdachs. Doch damit musste man rechnen. Und diese Sturm-und-Dranghafigkeit macht ja mitunter auch den Reiz eines jungen Whiskys aus.

Wen das nicht stört, kann eine Menge spannender Geschmacksnoten entdecken. Insgesamt ist der St. Kilian One eine schön komponierte Mischung verschiedenster Fass-Einflüsse: Etwas Süße, etwas Frucht (v.a. Birne) und etwas Würze.

Die harten Fakten

Spirituose St. Kilian One
Herkunft St. Kilian Distillers, Rüdenau, Deutschland
Sorte Single Malt Whisky
Alkoholgehalt 45 Vol.-%
Alter 3 Jahre (2016-2019)
Reifung 37% Bourbon-, 37% Rum-, 18% PX-Sherry- und 5% Kastanienfässer sowie 3% Bourbon-Quarter-Casks
Fazit Der erste Single Malt von St. Kilian ist ein spannender, junger Whisky: Etwas Süße, etwas Würze, etwas Frucht sowie etwas Sturm und Drang.

Disclaimer: Ich habe mir die im Artikel beschriebene Spirituose selbst von eigenem Geld gekauft. Es handelt sich um eine unabhängige Beschreibung und Bewertung des Produkts. Trotzdem deklariere ich den Artikel hiermit sicherheitshalber als unbezahlte Werbung. 

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