Whisky-Test: Slyrs 12 Jahre – Bayerischer Whisky à la Schottland

Das Wappen von Slyrs zeigt einen Steinbock und Berge
Das Wappen von Slyrs – ein Steinbock und drei Berggipfel – weist auf die bayerische Heimat des Whisky hin.

Slyrs – Whisky aus Bayern? Wer macht denn so was? Whisky ist doch eher die Domäne der Schotten. Aber so absurd ist die Idee vom bayerischen Whisky eigentlich gar nicht. Denn zum einen hat das Schnapsbrennen in Bayern eine lange Tradition. Obstbrände und Kräuterschnäpse wie Enzian, Bärwurz und Co gehören nach einem deftigen Schweinebraten einfach dazu. Zum anderen ist Whisky nichts anderes als destilliertes Bier – und Bier ist seit jeher und nicht nur zum Oktoberfest ein fester Bestandteil der bayerischen Kultur. Vor allem aber fällt auf, dass Bayern und Schottland einige verblüffende Gemeinsamkeiten aufweisen:

  • Eine wunderschöne Natur mit sanften Hügeln, schroffen Bergen, wilden Flüssen und weiten Getreidefeldern.
  • Einen gewissen Hang zur staatlichen Souveränität und einen Nationalstolz, mit dem sich die Bewohner von „den Anderen“ (den Preußen bzw. Engländern) abgrenzen.
  • Einen Dialekt, den sonst niemand versteht, der aber ziemlich sexy ist.
  • Eigenwillige Trachten mit lustigen Beinkleidern und Traditionen, die für Außenstehende mehr als befremdlich wirken – Stichwort Schuhplattlern und Baumstammwerfen…

„Mia samma mia“, behaupten die Bayern gerne, um sich ihrer Eigenheiten und Freistaatlichkeit zu versichern. Doch diese Losung trifft zweifelsohne auch auf die Schotten zu. Angesichts all dieser Gemeinsamkeiten erscheint die Idee vom Slyrs plötzlich in einem ganz anderen Licht: Was liegt näher, als Whisky aus Bayern?

Slyrs – Schottland am Schliersee

Das dachten sich auch die Jungs von der Brennerei Slyrs am bayerischen Schliersee – und destillierten ihren ersten Bavarian Single Malt Whisky. Slyrs ist der größte Single-Malt-Hersteller Deutschlands und einer der Begründer des deutschen Whiskybooms. Seit 1999 wird bei Slyrs bereits Whisky gebrannt und leidenschaftlich experimentiert. Denn die Destillerie ist bekannt dafür, bei der Reifung mit unterschiedlichen Fässern zu arbeiten – mittlerweile gibt es etliche Abfüllungen, u.a. aus Rum-, Sherry- oder Marsalafässern. Mit nicht weniger Leidenschaft verarbeiten die Brenner vom Schliersee ihre Whiskys zu herzhaften Likören.

Seit ein paar Jahren hat Slyrs nun auch eine weitere große Hürde der Whiskyherstellung gemeistert: einen Whisky im zweistelligen Alter auf den Markt zu bringen. Auch hier stehen die Bayern den Schotten also in nichts mehr nach. Wir sehen uns deshalb heute die 12-jährige Abfüllung von Slyrs genauer an.

Wie schmeckt der Slyrs 12 Jahre?

Aussehen

Rein optisch überzeugt der Whisky schon mal: Im Glas schimmert der Brand in einem glänzenden Bernsteinton, den ihm die 12 Jahre lange Reifung in ausgesuchten Fässern aus amerikanischer Weißeiche, die zuvor ebenfalls Slyrs-Whisky enthielten, verliehen hat.

Geruch

In der Nase zeigt sich der Slyrs von der süßen Seite. Ja is denn heut scho Weihnachten? Das kräftig-süße Bouquet katapultiert mich vom Schliersee direkt in eine weihnachtliche Backstube. Ich rieche helles Karamell, Vanille und frischen, zähen Plätzchenteig mit Rumaroma. Das alles verleiht dem Whisky eine cremige, griffige Textur in der Nase. Gegen diese Teigwand schlagen Wellen aus dunklem Kastanienhonig und Orangenschale. Insgesamt hat der Whisky ein sehr üppiges und festliches Bouquet, ganz nach dem Motto: „In der Weihnachtsbäckerei gibt’s so manche Leckerei!“

Geschmack

Zeit, einen Schluck zu probieren: Auch im Mund startet der Slyrs 12 mit seiner üppigen Süße voll durch. Karamell und Honig (diesmal ein heller Blütenhonig) überziehen die Zunge und bleiben dort eine Weile lang kleben. Zum Mittelteil hin nimmt die weihnachtliche Süße ab und der Whisky wird zunehmend würziger und trockener. Nun tritt der holzige, trockene und leicht bittere Geschmack aus den Eichenfässern in den Vordergrund.

Abgang

Der Abgang ist schließlich der große Höhepunkt des Slyrs 12. Geschmacklich setzt der Abgang dort an, wo der Mittelteil aufhört: Bei den bitter-würzigen Eichennoten. Diese werden im Abgang nach und nach intensiver und bleiben noch recht lange mit dezenten Anklängen an Weihnachtsgebäck am Gaumen kleben. Das Mundgefühl, das der Whisky hinterlässt, ist angenehm samtig-trocken.

Wer sollte den Slyrs 12 kaufen?

Insgesamt ist der 12-jährige Slyrs ein ordentlicher Whisky, der stark von den Fässern, in denen er reift, geprägt ist. Die amerikanische Eiche steuert sowohl süße Noten von Vanille und Karamell bei, als auch bittere Eichennoten. Da die Fässer vorher bereits Slyrs-Whisky enthielten, potenziert das den typischen malzig-süßen Brennereicharakter.

Die 12-jährige Abfüllung fällt üppiger und komplexer aus als seine jüngeren Geschwister, die gerade einmal halb so lange reifen dürfen. Einziger Wehmutstropfen ist der stolze Preis von über 100 Euro. Da schluckt mancher Whiskytrinker, denn gleichaltrige Schotten bekommt man für weniger Geld. Allerdings wird der Slyrs 12 auch in deutlich kleineren Mengen hergestellt, was den Preis nach oben treibt.

Zusammengefasst: Der Slyrs 12 ist echt gut! Er gefällt zunächst mit üppiger Weihnachtssüße, bevor er angenehm trocken ausklingt – einer der besten deutschen Whiskys, die ich bisher probiert habe. Und deshalb braucht er sich vor der schottischen Konkurrenz nicht zu verstecken. Aber kann man bei den ganzen Gemeinsamkeiten zwischen Schottland und Bayern überhaupt von Konkurrenz sprechen? Vielmehr ist der Slyrs-Whisky doch Völkerverständigung im besten Sinne. Also dann: Prost und Slàinte!

Die harten Fakten

Spirituose Slyrs 12 Jahre
Herkunft Slyrs Brennerei, Schliersee, Bayern, Deutschland
Sorte Single Malt Whisky
Alkoholgehalt 43 Vol.-%
Alter 12 Jahre (2005-2017)
Reifung Amerikanische Weißeichenfässer, die zuvor bereits Slyrs Whisky enthielten
Fazit Ein üppiger Whisky, der seinen schottischen Vorbildern in nichts nachsteht. Viel weihnachtliche Süße und ein angenehm trockenes Finish zeichnen ihn aus.

Disclaimer: Ich habe mir die im Artikel behandelte Spirituose selbst von eigenem Geld gekauft. Es handelt sich um eine unabhängige Beschreibung und Bewertung des Produkts. Trotzdem deklariere ich den Artikel hiermit sicherheitshalber als unbezahlte Werbung.

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