Whisky-Test: Elijah Craig 12 Jahre – Love it or hate it!

Eine Flasche Elijah Craig Bourbon
Der Elijah Craig 12 Years ist wohl einer der umstrittensten Bourbons (Bild: Ryan Hyde/Flickr)

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – und oft ein Streitpunkt unter Whisky-Fans. Der 12-jährige Elijah Craig ist so ein Fall. Er gehört zu den wohl beliebtesten und zugleich umstrittensten Premium-Bourbons. Love it or hate it! Produziert wird Elijah Craig von der Heaven Hill Distillery in Kentucky, die neben der Standardabfüllung von Elijah Craig auch noch eine 18-jährige sowie eine Single-Barrel-Version herstellt. Wir nehmen den 12-jährigen Elijah Craig im heutigen Tasting genauer unter die Lupe, um herauszufinden, warum sich die Geister an diesem Whisky so scheiden.

Wer ist eigentlich dieser Elijah Craig?

Nicht weniger umstritten als der Whisky ist sein Namensgeber, der Baptistenprediger Elijah Craig (ca. 1838 bis 1808). Craig war nicht nur als Pastor und Prediger in Kentucky unterwegs. Er war vor allem durch seine Wohltätigkeit und seinen Erfindergeist bekannt. Nachgewiesen ist, dass er die erste Schule mit klassischem Lehrplan in Kentucky gründete. Für die anderen Erfindungen und Taten, die Craig zugeschrieben werden, fehlen allerdings schlagkräftige Beweise. Angeblich hat er die Stadt Georgetown gegründet und Zeitgenossen behaupteten auch, Craig habe die erste Walkmühle, die erste Papiermühle und die erste Seilerei der USA gegründet.

Die größte und wichtigste Erfindung aber, die Elijah Craig zugeschrieben wird, ist nichts Geringeres als die Erfindung des Bourbons. Craig soll der Erste gewesen sein, der in Kentucky Whisky gebrannt hat – eine Behauptung, für die es so gut wie keine Beweise gibt. Wahrscheinlich gehört die Geschichte vom whiskybrennenden Prediger eher ins Reich der Folklore, denn es gibt nicht einmal einen eindeutigen Beweis dafür, dass Craig überhaupt Alkohol gebrannt hat. Mittlerweile gibt es sogar Belege, dass in Kentucky schon Whisky gebrannt wurde, bevor Elijah Craig dort ansässig war. Die Legende von Craig als Erfinder des Bourbons kam vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts auf, als die Temperance Movement, die Abstinenzbewegung in den USA, an Einfluss gewann. Vermutlich sollten die Argumente der religiösen Abstinenzler durch die Geschichte eines Geistlichen als Urvater des amerikanischen Whiskys entkräftet werden. Wie auch immer – die wahre Geschichte von Elijah Craig bleibt verschwommen im Nebel der Geschichte.

Ganz so nebulös wie die die Geschichte seines Namenspatrons ist die des Bourbons nicht. Diese Fakten sind bekannt: Gebrannt aus einer Maische aus 75 % Mais, 13 % Roggen und 12 % Gerste, gereift für 12 Jahre in neuen, ausgebrannten Eichenfässern und schließlich abgefüllt mit 47 Vol.-% Alkoholgehalt. So weit, so gut.

Wie schmeckt der Elijah Craig 12 Years?

Aussehen

Die Flasche ist zugegeben etwas piefig und altbacken. Allerdings macht die Farbe des Elijah Craig Lust auf mehr. Die Farbe ist recht dunkel und voll – ein schöner bräunlicher Orangeton. Damit ist er bedeutend dunkler als viele gleichaltrige Bourbons, etwa die 12-jährige Abfüllung von Jim Beam. Man sieht ihm das Alter an – im positiven Sinne.

Geruch

Also Flasche auf und eingeschenkt! Kaum im Glas, beißt es schon in meiner Nase. Der Elijah Craig schlägt zu, dass kein Gras mehr wächst bzw. keine Haare in der Nase stehenbleiben. Stark, beißend und mit deutlicher Alkoholnote. Das ist enttäuschend und ungewöhnlich für einen so alten Bourbon. Der Whisky wirkt in der Nase jung, ungestüm und unausgereift. Erst allmählich verfliegen die ganz scharfen Spritaromen und machen Platz für eine Bourbon-typische Vanille- und Karamellsüße, etwas Würze sowie einen Hauch Frucht. Die jugendliche, unausgewogene Schärfe bleibt aber erhalten und verschwindet nie vollständig. Da haben sich leider einige Fehltöne eingeschlichen.

Geschmack

Schade, aber vielleicht wird’s beim Geschmack besser. Naja… der Elijah Craig schmeckt okay, aber noch lange nicht gut. Er ist insgesamt süß und fruchtig mit deutlichen Eichennoten. Endlich ein vager Beleg für die 12-jährige Reifezeit des Bourbons. Wenn ich allerdings wieder den 12-jährigen Jim Beam als Vergleich nehme, ist der Elijah Craig deutlich schärfer und auch unharmonischer. Langsam kommen mir Zweifel am Alter dieses Bourbons.

Abgang

Der Abgang ist schließlich das Beste am Elijah Craig – was nicht heißt, dass ich ihn gut finde. Die Schärfe verfliegt und macht den Weg frei für einen milden Nachklang mit Orangenzeste und ein paar Eichennoten. Nach und nach wird er trockener – leider sogar leicht adstringierend und recht bitter, was ein trockenes, fast schales Mundgefühl hinterlässt.

Wer sollte den Elijah Craig 12 Years kaufen?

Insgesamt hat mich der Elijah Craig leider nicht überzeugt. Er zählt mit seinem Alter von 12 Jahren zwar zu den älteren Bourbons, was man ihm aber nicht anmerkt. Der Whisky kommt stattdessen wild, ungestüm, spritig und unausgeglichen daher. Die bitteren, trockenen Noten scheinen bei einigen Genießern aber durchaus anzukommen und einige scheinen ihn auch als fruchtiger zu empfinden als ich – über Geschmack lässt sich eben streiten.

In der Tat gilt: Love it or hate it. Ich kann den Elijah Craig leider nicht empfehlen. Wer gerne mal einen älteren Bourbon ausprobieren möchte… bitte, aber ich habe Euch gewarnt. Ansonsten sei der Elijah Craig vielleicht denen empfohlen, die gerne starke, bittere, spritige Drinks mögen – soll es ja geben.

Die harten Fakten

Spirituose Elijah Craig 12 Years
Herkunft Heaven Hill Distillery, Kentucky, USA
Sorte Straight Bourbon Whiskey
Alkoholgehalt 47 Vol.-%
Alter mindestens 12 Jahre
Reifung frische, ausgebrannte Fässer aus Amerikanischer Weißeiche
Fazit Love it or hate it: Wilder, unausgeglichener Bourbon mit bitteren Noten und knochentrockenem Abgang.

 

Disclaimer: Ich habe mir die im Artikel behandelte Spirituose selbst von eigenem Geld gekauft. Es handelt sich um eine unabhängige Beschreibung und Bewertung des Produkts. Trotzdem deklariere ich den Artikel hiermit sicherheitshalber als unbezahlte Werbung. 

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