Whiskey-Test: Yellow Spot – Die Pot-Still-Cremebombe

Der Yellow Spot ist ein typischer Pot-Still-Whiskey
Der Yellow Spot ist wahrscheinlich einer der typischten Irish Whiskeys.

Was ist der typischste Irish Whiskey? Sofort schießen einem Markennamen wie Jameson, Bushmills oder Tullamore DEW durch den Kopf. Aber sehen wir mal von den Marken und Destillerien ab und betrachten die Whiskeysorte: Single Malt, Blend, Grain? Alles an sich tolle Sachen, aber die urtypische Whiskeysorte aus Irland ist definitiv der Single Pot Still Whiskey. Nachdem er lange in Vergessenheit geraten ist, sind in den letzten Jahren vermehrt neuen Abfüllungen auf den Markt gekommen. Eine davon ist der meisterhafte Yellow Spot* aus der Midleton Distillery.

Pure Pot Still – Whiskey für Steuerflüchtlinge

Das Besondere am Single Pot Still Whiskey ist, dass er anders als Single Malt, sowohl aus gemälzter als auch ungemälzter Gerste produziert wird. Single Malt besteht bekannter Weise ausschließlich aus Gerstenmalz. Der Einsatz von ungemälzter Gerste verleiht Single Pot Stills eine cremige Textur und würzige Geschmacksnoten, die als typisch für diese Whiskeysorte gelten.

Yellow Spot ist nicht der einzige Whiskey, der auf die Mischung aus Malz und roher Gerste setzt. Andere Single Pot Still Whiskeys sind Redbreast, einige Abfüllungen von Powers, z.B. die John’s Lane Release, sowie der Green Spot, der kleine Bruder des Yellow Spot. Es ist schön zu sehen, dass im Zuge der Irish-Whiskey-Renaissance, die wir seit ein paar Jahren erleben, auch der Single Pot Still neu aufgelegt wird – und mittlerweile (fast) wieder zu alter Größe gefunden hat.

Aber warum mischen die Iren überhaupt gemälztes und ungemälztes Getreide? Die Antwort ist – wie so oft im Leben – Geld. Allgemein wird Whiskey in Irland schon seit dem 13. Jahrhundert gebrannt. Der Single Pot Still Whiskey im Speziellen entstand, um die 1785 eingeführte Steuer auf die Verwendung von gemälzter Gerste zu vermeiden. Da die Steuer nach Gewicht des verwendeten Malzes erhoben wurde, kamen findige Brenner auf die Idee, einfach weniger davon zu verwenden und den Rest durch ungemälzte Gerste zu ersetzen. Geboren war der Single Pot Still Whiskey. Obwohl die Malzsteuer später wieder aufgehoben wurde, hielt die Popularität des Pot Still Whiskeys noch bis in das späte 19. Jahrhundert an. Danach wurde es leider dunkel um ihn – sowie um den irischen Whiskey generell.

Wie schmeckt der Yellow Spot?

Aussehen

Der Yellow Spot darf nach der Destillation mindestens 12 Jahre lang reifen – und zwar nicht nur in einem, sondern gleich in drei verschiedenen Fasstypen: Bourbon-, Sherry- und Malagafässer (Malaga ist ein Süßwein aus Andalusien). Das sorgt für Textur und ordentlich Geschmack, aber auch für eine tolle Farbe. Die verschiedenen Fässer verleihen dem Whiskey einen kräftigen Karamellton, der Lust auf mehr macht. Also auf zum Tasting!

Geruch

In der Nase fällt zunächst der frisch gemahlene schwarze Pfeffer auf, der in der Nase kitzelt und Appetit macht – schon jetzt macht sich die typische Pot-Still-Würzigkeit bemerkbar. Die Sherry- und Malagafässer steuern frische Fruchtaromen von Aprikosen und Pflaumen bei, was zusammen mit dem Pfeffer eine pikante Marmeladenmischung ergibt. In Hintergrund erkenne ich zudem noch süßen Honig und getrocknetes Getreide, das einen bodenständigen, trockenen Unterbau bildet. Der tariert die sehr cremige Textur aus, die der Yellow Spot in der Nase hat.

Geschmack

Die cremige Textur setzt sich im Mund fort. Im Antritt verteilt der Yellow Spot seine ultra-cremige Sahnigkeit im ganzen Mund (sexy…). Ich habe noch nie einen Whiskey mit derart cremiger Textur getrunken. Geschmacklich fallen zuerst die würzigen Noten auf, die mich ein wenig an einen guten Rye Whiskey erinnern: Bitternoten, Eichenwürze aus den europäischen Weinfässern und Pfeffer. Im Mittelteil dann es dann aber vor allem wieder cremig weiter. Milchschokolade und Crème Brûlée sorgen für Textur und Süße, während ein paar grasige Noten und etwas Frucht für Abwechslung sorgen.

Abgang

Creme ist Programm beim Yellow Spot. Denn auch der Abgang ist wieder äußerst cremig. Gleichzeit ist er, gerade zum Ende hin, trocken mit typischen Sherrynoten (Rosinen, rote Früchte) und getrocknetem Getreide.

Wer sollte den Yellow Spot probieren?

Ihr wollt meine ehrliche Meinung zum Yellow Spot? Na gut: Eine sehr geile Creme-Bombe! Das ist weder ausgefallen noch differenziert, aber es ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Die unbändige Cremeflut hat mich mitgerissen. Ich möchte mich von ihr treiben lassen, bis ich schrumpelig wie eine Dörrpflaume bin.

Ich kann den Yellow Spot also uneingeschränkt empfehlen. Natürlich kommen die, die Irish Whiskey und süßere Gangarten bevorzugen, mehr auf ihre Kosten, als Fans von rauchigen Whiskeys. Aber der Yellow Spot Single Pot Still hat von allem etwas (außer Rauch): Frucht aus Sherry- und Süßweinfässern, trockene Getreidenoten, pfeffrige Würze und diese unglaubliche Creme – habe ich die schon erwähnt? Das alles weiß der Whiskey meisterhaft zu einem harmonischen, texturreichen Ganzen zu verbinden.

Wer jetzt Bock drauf hat, kann sich den Yellow Spot Single Pot Still Whiskey hier bestellen*.

Die harten Fakten

Spirituose Yellow Spot
Herkunft Midleton Distillery, Irland
Sorte Single Pot Still Whiskey
Alkoholgehalt 46 Vol.-%
Alter mindestens 12 Jahre
Reifung Bourbon-, Sherry- und Malaga-Fässer
Fazit Ein grandioser, unglaublich cremiger Whiskey, der von allem etwas bietet: pfeffrige Pot-Still-Würze, fruchtige Sherrynoten und viiiiel cremige Süße.

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