Whiskey-Test: Woodford Reserve Distiller’s Select Bourbon

Woodford Reserve Distiller's Select
Der Woodford Reserve Distiller’s Select wird dreifach in kupfernen Brennkesseln gebrannt – eine echte Seltenheit in der Bourbonwelt.

Kentucky Straight Bourbon ist strengen, genau definierten Regeln unterworfen. Diese Regeln lassen den Herstellern wenig Freiraum, um Neues zu probieren. Sonst dürfen sie ihren Whiskey womöglich nicht mehr „Bourbon“ nennen – und das bedeutet häufig Gewinneinbußen. Wie kann ein Bourbon aus Kentucky aus der Masse herausragen aber trotzdem noch traditionell genug sein, um von der Fangemeinde akzeptiert zu werden? Indem er gerade so viel von der Norm abweicht, dass er trotzdem noch seinen Bourbon-Charakter behält. Schafft derr Woodford Reserve Distiller’s Select Bourbon* diesen Spagat?

Pot Stills als Besonderheit

Fast jeder Bourbon wird in Säulenbrennanlagen destilliert. Eine der wenigen Destillerien, die ihren Bourbon nach schottischem Vorbild in Kupferbrennblasen herstellen, ist die Labrot & Graham Distillery, die den Woodford Reserve Bourbon produziert. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit. Nein, bei Woodford wird der Whiskey sogar dreimal gebrannt, in drei unterschiedlichen Pot Stills. Das ist in Kentucky, der Heimat des Bourbons, eine Seltenheit. Doch egal, was die großen Player wie Jim Beam oder Evan Williams davon halten. Woodford Reserve behält Recht. Denn indem Labrot & Graham an dem speziellen Herstellungsverfahren festhält, schafft Kentuckys kleinste Bourbon-Brennerei einen wirklich großen Bourbon.

Der Distiller’s Select ist die Standardabfüllung von Woodford Reserve. Wie alle anderen Bourbons des Hauses wird er ausschließlich als Small-Batch-Abfüllung mit durchnummerierten Flaschen abgefüllt. In die Flasche kommt er mit genau 43,2 Vol.-% Alkoholgehalt.

Wie schmeckt der Woodford Reserve Distiller’s Select?

Aussehen

Im Glas gefällt der Woodford Reserve durch seinen warmen Kupferton. Erwähnen möchte ich hier noch die wirklich gutaussehende, wertige Flasche. Die macht in der Hausbar richtig was her!

Geruch

In der Nase fällt zunächst der Bourbon-typische Vanilleduft auf, der beim Distiller’s Select aber ziemlich stark und wuchtig ausfällt. Das ist schön, aber leider noch nicht die Abweichung von der Bourbon-Norm, die man von der Herstellung in Pot Stills erwartet. Es geht weiter mit einigen Fruchtaromen und ein paar würzigen Noten sowie gerösteten Zerealien. Leider nehme ich aber auch einen leichten Klebergeruch wahr – das gibt Abzüge in der B-Note.

Geschmack

Während das Bouquet allenfalls typisch daherkommt und nicht ganz überzeugen kann, zerstreut der Geschmack schnell alle Zweifel. Was unmittelbar auffällt ist der trockene und enorm mundfüllende Körper. Die wuchtige Textur, die der Woodford Reserve im Mund auffährt, ist ein Hinweis auf die Kupferbrennblasen, in denen er destilliert wird. Doch trotz seines Volumens überfordert der Bourbon nicht, denn von Anfang an dominieren eine fruchtige Aprikosensüße sowie Karamell den Geschmack. Das bringt Ruhe in den voluminösen Körper. Zum Mittelteil hin nimmt die Süße etwas ab. Es folgen würzige, leicht bittere Eichennoten und die gerösteten Zerealien, die ich schon in der Nase wahrgenommen habe.

Abgang

Zum Schluss hin wird der Woodford Reserve noch trockener und würziger. Das ist der Einfluss der Roggens, der der Mash Bill zugefügt wurde und für einen würzigen, pfeffrigen Geschmack sorgt. Der Distiller’s Select schließt mit einem langen, wärmenden Abgang mit Noten von geröstetem Getreide.

Wer sollte den Woodford Reserve Distiller’s Select kaufen?

Der Woodford Reserve eignet sich für alle, die ihren Bourbon gerne üppig und schwer mögen aber dennoch nicht auf die typische Vanille- und Karamellsüße verzichten wollen. Insgesamt sticht er durch seinen extrem üppigen, voluminösen Körper aus der Masse der Kentucky-Bourbons heraus – auch, wenn es Abzüge beim Geruch gibt.

Durch sein Volumen kann sich der Woodford Reserve auch in Cocktails behaupten. Ein Whisky Sour bekommt durch den Distiller’s Select eine spannende, volle Textur und durch den Roggen ein paar grasige Noten.

Wer in der Bourbon-Welt, die nicht viel Spielraum für Experimente erlaubt, einmal abseits der bewährten Pfade spazieren will, sollte dem Woodford Reserve eine Chance geben. Denn durch die dreifache Destillation in kupfernen Pot Stills erhält er einen üppigen Körper, den man sonst nur selten findet.

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Die harten Fakten

Spirituose Woodford Reserve Distiller’s Select
Herkunft Labrot & Graham Distillery, Kentucky, USA
Sorte Straight Bourbon Whiskey
Alkoholgehalt 43,2 Vol.-%
Alter keine Angabe
Reifung amerikanische Weißeiche
Fazit Üppiger Bourbon, der vor allem durch Volumen und Textur glänzt und sich dadurch aus der Masse hervorhebt.

 

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