Whiskey-Test: Green Spot – Würziges von der grünen Insel

Eine Flasche Green Spot Whiskey auf einem Schreibtisch
Green Spot – ein typischer Pot Still Whiskey von der grünen Insel (Bild: Pernod Ricard / Spot Whiskey)

„Green Spot ist unbestreitbar einer der besten Whiskeys der Welt“, behauptet Whiskey-Papst Jim Murray. So weit würde ich zwar nicht gehen, aber ohne Frage ist der Green Spot Single Pot Still Whiskey* aus der Midleton Distillery eine erstklassige Spirituose. Was den Whiskey so besonders macht, sehen wir uns heute genauer an.

Green Spot Whiskey – die Quintessenz des Irish Whiskey?

Wieso ist der Green Spot so beliebt – und lecker? Ich glaube, weil er die Quintessenz des Irish Whiskeys ist. Er ist ein urtypischer Vertreter dieser Gattung. Das typisch Irische steckt schließlich schon im Namen. Irland wird auch die grüne Insel genannt. Denn Grün ist nicht nur die Nationalfarbe der Iren. Grün ist allgegenwärtig in der irischen Natur. Die Insel liegt wie ein grüner Fleck im Atlantik. Das durch den Atlantik und den Golfstrom geprägte Klima sorgt dafür, dass das ganze Jahr lang die unterschiedlichsten Gräser wachsen, die die Insel in ein sattes Grün tauchen. Auch verschiedene Moose gedeihen im irischen Klima wie Unkraut und verpassen nicht nur der Natur, sondern auch Gebäuden einen immergrünen Schimmer. Welchen besseren Namen könnte ein typischer Irish Whiskey also haben, als Green Spot – grüner Fleck?

Zweitens ist der Green Spot ein sogenannter Single Pot Still Whiskey. Diese Whiskeysorte ist typisch irisch. Single Pot Still Whiskey wird, anders als Single Malt, sowohl aus gemälzter als auch ungemälzter Gerste produziert. Auf diese findige Idee kamen die irischen Brenner, um die 1785 eingeführte Malzsteuer zu umgehen. Da die Steuer nach Gewicht des verwendeten Malzes erhoben wurde, verwendeten die Brenner weniger davon und ersetzten den Rest kurzerhand durch rohe Gerste. Der entstandene Single Pot Still Whiskey zeichnet sich durch seine cremige Textur und seinen würzigen Geschmack aus. Die Gerste fügt dem bekannten honig-süßen Geschmack, durch den sich viele Irish Whiskeys auszeichnen, eine zusätzliche, komplexe Geschmacksdimension hinzu. Der Green Spot verkörpert diesen Irish-Pot-Still-typischen Geschmack wie kaum ein anderer Whiskey.

Wie schmeckt der Green Spot Whiskey?

Aussehen

Natürlich zieht man unweigerlich den Vergleich zum Yellow Spot, dem 12-jährigen Bruder des Green Spot. Das fängt schon bei der Farbe an. Der Whiskey ist wesentlich heller als sein älterer Bruder. Die strohgelbe Färbung zeigt schon recht deutlich, dass er hauptsächlich in erst- und zweitbefüllten Ex-Bourbonfässern reift und nur einen kurzen Zwischenstopp in Sherryfässern einlegt. Insgesamt verbringt der Whiskey acht Jahre im Holz.

Geruch

Auch hinsichtlich des Geruchs und Geschmacks muss sich der Green Spot dem Vergleich mit dem Yellow Spot stellen – aber ihn nicht scheuen. Denn beide Whiskeys haben einen vollkommen unterschiedlichen Charakter.

In der Nase zeigt sich der Whiskey noch leicht und fruchtig mit grünen Äpfeln sowie Birnenkompott. Auch die übrigen Eindrücke sind überwiegend auf der süßen Seite des Aromen-Spektrums angesiedelt: Ich rieche süßes Malz, flüssigen Honig und ein paar dezente Sherry-Einflüsse, die an eingelegte Rosinen und Traubensaft erinnern. Im Hintergrund kündigen aber bereits die Würze und das Eichenholz ihren Auftritt an.

Geschmack

Der Auftritt der würzigen Seite des Green Spot kommt spätestens, wenn man den ersten Schluck nimmt. Sein ausgeprägt würziger Charakter lässt die Zunge beben. Es prickelt, als führten die Geschmacksknospen einen irischen Stepptanz im Mund auf. Das ist Pot-Still-Charakter at its best!

Ich schmecke getrocknete Gewürze, eine leichte Schärfe und trockene Eichennoten. Eine apfelige Frische steuert fruchtige Noten bei, die den würzigen Grundton etwas auffrischen. Ovomaltine und Vanillecreme sorgen für die nötige Süße und eine cremige Konsistenz. Allerdings – und hier kommt wieder der Vergleich ins Spiel – ist der Green Spot bei weitem nicht so cremig wie der ultrasahnige Yellow Spot Whiskey.

Abgang

Je länger man den Green Spot Whiskey im Mund behält, desto stärker treten die süßen Noten in den Vordergrund. Sie dominieren schließlich auch den Abgang. Der besitzt eine leicht cremige Textur und schmeckt nach Milchschokolade sowie dezenten Gewürzen.

Wer sollte den Green Spot kaufen?

Insgesamt ist der Green Spot ein sehr runder Whiskey, bei dem die Würze zwar den Ton angibt, die Frucht und die Süße aber nie von der Bühne drängt, sondern ihnen Raum gibt, damit sie sich entfalten und ihr Potenzial ausspielen können. Die Würze ist der Vortänzer, der die anderen in der Tanztruppe anleitet, damit alles geordnet abläuft. Diese Kombination aus typisch irischer Süße gepaart mit Pot-Still-Würze ist sehr gut gelungen.

Probieren sollten diesen feinen Tropfen alle, die auf Irish Whiskey stehen und den urtypischen Pot-Still-Charakter erleben wollen. Wer gerne ein unkompliziertes Helles trinkt, findet im „Grünen Fleck“ zudem einen guten Bierbegleiter. Und obendrein stimmt der Preis.

Wer jetzt Bock drauf hat, den irischen Spirit zu erleben, kann den Green Spot Single Pot Still Whiskey hier kaufen*.

Die harten Fakten

Spirituose Green Spot
Herkunft Midleton Distillery, Irland
Sorte Single Pot Still Whiskey
Alkoholgehalt 40 Vol.-%
Alter mindestens 8 Jahre
Reifung First- & Second-Fill Bourbon-Fässer, Sherry-Fässer
Fazit Typischer, herrlich ausgewogener Pot Still Whiskey bei dem die Würze den Ton angibt, Frucht und Süße aber nicht verdrängt.

Disclaimer: Ich habe mir die im Artikel behandelte Spirituose selbst von eigenem Geld gekauft. Es handelt sich um eine unabhängige Beschreibung und Bewertung des Produkts. Trotzdem deklariere ich den Artikel hiermit sicherheitshalber als unbezahlte Werbung. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.