Was ist eigentlich Navy Strength Gin?

Matrosen stehen für ihre tägliche Ration Navy Strength Gin an.
Matrosen stehen für ihre tägliche Ration Navy Strength Gin an. God save the Gin – äh, King

Hochprozentige Spirituosen liegen im Trend. Egal, ob Cask Strength Whisky, Barrel Proof Rum oder Navy Strength Gin. Spirits in Fassstärke und jenseits der 50 Vol.-% sind angesagt, denn die Nachfrage nach hoher Qualität und unverfälschtem Geschmack nimmt unentwegt zu. Deshalb bieten immer mehr Hersteller diese hochprozentigen Abfüllungen an. Aber was heißt Navy Strength überhaupt? Und was steckt hinter dem Trend? Hier erfährst du alles, was du über Navy Strength Gin wissen musst.

Was ist Navy Strength Gin?

Beim Navy Strength Gin handelt es sich nicht um eine eigenständige Gin-Sorte, denn jeder beliebige Gin kann in Navy Strength („Marinestärke“) produziert werden – egal, ob London Dry, Old Tom oder Plymouth Gin. Bei Navy Strength handelt es sich vielmehr um eine besondere Ausprägung, die sich von herkömmlichen Gins unterscheidet und hinter der eine interessante Geschichte steckt.

Das Wesentliche ist jedoch schnell erklärt: Navy Strength Gin ist ein Gin, der mindestens 57 Vol.-% Alkoholgehalt hat.

Herkömmliche Gins haben dagegen meist einen Alkoholgehalt zwischen 38,5 und 47 Vol.-%. Der höhere Alkoholgehalt sorgt bei Navy-Strength-Abfüllungen nicht nur für mehr Wumms, sondern auch für mehr Geschmack. Denn da das Destillat nicht so stark verdünnt wird, bleiben die Aromen und Geschmacksnuancen der Botanicals weitestgehend erhalten. Navy Strength Gin schmeckt also nach mehr. Doch woher stammt die Bezeichnung „Navy Strength“?

Die Geschichte des Navy Strength Gin

„In the navy
Yes, you can sail the seven seas
In the navy
Yes, you can put your mind at ease“

The Village People: In the Navy (1979)

Hurra, bei der Marine geht’s hoch her! Filme und Groschenromane versprechen nautische Abenteuer, Exotik und natürlich Schnaps und echte Männerfreundschaft. Doch das Leben eines Seemanns ist hart – vor allem früher war der Beruf ein Knochenjob. Um das Leben ihrer Matrosen auf See etwas erträglicher zu machen, beschloss die britische Marine – die Royal Navy – bereits im 17. Jahrhundert, für hochprozentige Linderung zu sorgen.

Schon damals war Großbritannien eine Seemacht und die Royal Navy spielte eine außerordentliche Rolle für die Verteidigung und imperialistische Expansion des britischen Königreichs. Ohne die Marine wäre das British Empire nie zum größten Weltreich aller Zeiten geworden.

Kein Empire ohne Navy Strength Gin – oder Rum

Weil das Leben auf See hart war, gewährte man den Seeleuten bereits im 17. Jahrhundert eine tägliche Ration Alkohol. Die sollte nicht nur die Stimmung an Bord heben, sondern die Strapazen an Deck erträglicher machen und den Männern im Kriegsfall den nötigen Mut einimpfen.

Die Alkoholration eines Seemanns bestand ursprünglich aus einer Gallone Bier. Wenn kein Bier zur Verfügung stand, da es oft schnell verdarb, wurde es durch ein Pint Wein oder einen halben Pint (0,56 Liter!) Spirituosen wie Gin und Arrak ersetzt. Als im 18. Jahrhundert große Teile der Karibik kolonialisiert wurden, führte der politische Einfluss der reichen Zuckerrohrplantagenbesitzer dazu, dass Rum zur bevorzugten Spirituose der Navy wurde.

Schluss mit Lustig – das Ende der Gin-Ration

Im Jahr 1740 wurde erstmals die Praxis eingeführt, die Rumration im Verhältnis 1:4 mit Wasser zu verdünnen. Außerdem wurde die tägliche Schnapsration in zwei Portionen aufgeteilt, eine zwischen 10 Uhr und Mittag und die andere zwischen 16 und 18 Uhr. Das sollte Trunkenheit verhindern – was bei einem halben Liter 57-prozentigem Rum pro Tag nicht sehr erfolgversprechend ist.

Erst 1970 wurde die tägliche Schnapsration abgeschafft, da sie nach Meinung einiger Generäle dazu führte, dass Seeleute weniger in der Lage waren, Maschinen zu bedienen und ihren Pflichten nachzukommen. Seitdem wird Alkohol an Bord nur noch zu besonderen Anlässen und Feierlichkeiten ausgegeben.

Gin und Rum als Medizin

Die Praxis, Spirituosen an Bord mitzuführen, hatte noch einen anderen Grund – nämlich einen medizinischen. Da Wasser auf Schiffen entweder schnell verdarb oder nicht zur Verfügung stand, war Alkohol eine haltbare Alternative. Außerdem wurde er als Allheilmittel zur Behandlung allerlei Erkrankungen sowie zur Schmerzlinderung und Desinfektion verabreicht.

Militärärzte nutzen Gin und Rum in Kombination mit anderen Zutaten auch, um Krankheiten vorzubeugen – medizinische Cocktails also. Gin mit Limettensaft bzw. Limettensirup – also eine Urvariante des Gimlets – wurde verabreicht, um Krankheiten wie Skorbut zu verhindern, die durch Vitaminmangel ausgelöst wurden. Das gleiche funktionierte mit Rum – quasi die Urversion des Daiquiri.

Die Soldaten in Indien und Afrika plagten derweil andere Sorgen. Mücken übertrugen dort die Malaria und dezimierten die Truppenstärke erheblich. Außerdem sorgte verunreinigtes Wasser für allerhand andere eklige Erkrankungen. Um diesen vorzubeugen, wichen die Soldaten auf hochprozentigen Gin aus. Und um Malariamücken abzuhalten, mischten sie ihren Gin mit einer ordentlichen Prise Chinin – geboren war der Gin Tonic.

Warum hat Navy Strength Gin 57 % Alkoholgehalt?

Ein Gin-Fass
Gin-Fässer wurden meist neben dem Schießpulver gelagert – (k)eine explosive Mischung

Um die Stärke von Navy Strength Gin ranken sich mehrere Geschichten – in die vielleicht auch ein wenig Seemannsgarn eingesponnen ist. Auf jeden Fall erfreuten sich nicht nur die einfachen Matrosen, sondern auch die Offiziere an Bord an dem Hochprozentigen. Und die Offiziere wollten natürlich nicht irgendeinen Fusel trinken. Also sollte der Gin bzw. der Rum an Bord möglichst unverdünnt und somit ungepanscht sein. Denn gepanschter Alkohol war damals keine Seltenheit.

Nun war es so, dass Alkohol an Bord meist in unmittelbarer Nähe zum Schießpulver gelagert wurde. Kippte ein Fass wegen schwerem Seegang oder Feindbeschuss um, ergoss sich der Gin über das Schießpulver und machte es unbrauchbar. Nicht selten sollen auch angeheiterte Matrosen über das ein oder andere Fass gestolpert sein.

Nun fanden findige Seeleute heraus, dass Gin ab einer Stärke von 114 Proof bzw. 57 Vol.-% brennt, selbst wenn er vom Schießpulver aufgesogen wird. Schüttet man diesen hochprozentigen Gin über das Schießpulver, zündet es durch den erhöhten Alkoholgehalt trotzdem noch – und die nächste Seeschlacht ist gerettet.

Wieso ist Navy Strength Gin so angesagt?

Viele Ginhersteller bringen derzeit Navy-Strength-Abfüllungen auf den Markt. Sowohl die britischen Traditionshersteller als auch deutsche Brenner – z.B. die Sauerland Distilers mit ihrem tollen Woodland Navy Strength Gin – warten mit hochprozentigen Gins auf. Doch wieso ist Navy Strength so im Trend?  

Zunächst mal musst du wissen, dass dieser hochprozentige Trend nicht nur auf Gin beschränkt ist, sondern auch andere Spirituosenarten betrifft. Auch bei Rum, Whisky und Co werden hochprozentige Abfüllungen immer beliebter, z.B. Cask Strength Whisky oder Barrel Proof Rum.

Ich glaube, der Grund liegt in dem, was ich gerne als „Genuss-Trend“ bezeichne. Menschen legen heute mehr denn je Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit. Viele achten mittlerweile sehr darauf, ihre Lebensmittel in Bioqualität, mit Fairtrade-Zertifizierung oder handgefertigt (Stichwort „Craft“) zu kaufen. Dieser Genuss-Trend wirkt sich auch auf den Spirituosenmarkt aus. Denn Kunden sind heute bereit, für hochwertige Produkte mehr Geld auszugeben, als noch vor ein paar Jahren. Dafür erwarten sie einen einzigartigen, authentischen und unverfälschten Geschmack. Navy Strength Gin bietet genau das.

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