Was ist Äppelwoi, Cider und Cidre? – Apfel in seiner schönsten Form

Äppelwoi, Cider und Cidre werden aus Äpfeln hergestellt
Äppelwoi, Cidre, Cider – Äpfel sind die Grundlage für alle Sorten von Apfelwein

Aus Äpfeln kann man vieles machen. Apfelsaft zum Beispiel, oder auch Kompott, Kuchen und allerhand süße Leckereien. Auch als Grundlage für alkoholische Getränke und Spirituosen macht das Kernobst eine gute Figur. Hierzulande sind vor allem der Apfelbrand sowie der Obstler beliebte Digestifs.

Ein anderer Apfelklassiker ist der Apfelwein in seinen unzähligen regionalen Ausprägungen: Viez, Apfelmost und Äppelwoi aus Deutschland, sowie Cider, Cidre und Sidra in anderen Breitengraden – Apfelwein wird weltweit genossen.

Aber was ist der Unterschied zwischen dem hessischen Äppelwoi, dem französischen Cidre und dem englischen Cider?

Am Anfang war der Apfel

Das Ausgangsprodukt ist immer dasselbe: frischer Apfelsaft. Dafür werden die Früchte zunächst aussortiert, gesäubert und anschließend gepresst. Für den Apfelwein werden überwiegend herbe und zuckerärmere Apfelsorten verwendet, die für den Frischverzehr eher weniger geeignet sind – oder dem Ottonormalgaumen einfach nicht schmecken. Oft sind es alte Sorten, die auf Streuobstwiesen wachsen. Nicht selten setzen sich die Hersteller von Apfelweinen und -spirituosen deshalb für den Erhalt ursprünglicher, regionaler Sorten ein – Artenschutz und Genuss gehen Hand in Hand. Erfreulich, wenn man bedenkt, dass der deutsche Konsument vermehrt importierte Sorten wie Pink Lady bevorzugt…

Aber zurück zum Apfelwein: Wenn der frischgepresste Apfelsaft in Fässer oder Tanks abgefüllt ist, werden Hefen hinzugegeben, um die alkoholische Gärung auszulösen. Dann entscheiden die verwendeten Apfelsorten, ihr Zuckergehalt sowie die Art und Dauer der Gärung über den Geschmack des fertigen Weins.

Äppelwoi – was den Hessen von Cider und Cidre unterscheidet

In Deutschland ist vor allem der hessische Äppelwoi bekannt. Traditionell wird er aus einem Tonkrug, dem Bembel, ausgeschenkt. Neben der hessischen Version sind noch andere regionale Spezialitäten bliebt, z.B. der Viez aus dem Saarland und der schwäbische Most. Die Vielfalt der Produkte ist groß: Von naturtrüb bis klar, von herb-würzig bis süffig-süß ist alles erhältlich. Auch der Alkoholgehalt schwankt zwischen 5 und 8 Vol.-%.

Der deutsche Apfelwein unterscheidet sich vom französischen Cidre und dem englischen Cider vor allem in der Art der alkoholischen Gärung. Beim deutschen Apfelwein lässt man die natürlich entstehende Kohlensäure entweichen, während bei den Pendants aus England und Frankreich das Prickeln erwünscht ist. Deshalb ist der Zuckergehalt ein wichtiges Kriterium bei der Herstellung von Cider und Cidre. Wenn sich bei der Gärung ein bestimmter Zuckergehalt einstellt, wird die Mischung unter Druck gelagert, um die Kohlensäure zu erhalten.

Der prickelnde Cider wird in England häufig wie Bier gezapft oder in Flaschen ausgeschenkt und in einem Pint-Glas serviert. Er enthält nicht nur mehr Kohlensäule als deutscher Apfelwein, sondern auch mehr Alkohol: bis zu 12 Vol.-% können es sein.

Während Cider für seinen herben und kräftigen Geschmack bekannt ist, hat der französische Cidre meist eine liebliche bis fein-fruchtige Note – doch der Geschmack variiert zwischen Regionen und Herstellern. Auch im Alkoholgehalt kommt der Franzose leichter daher als seine Verwandten aus England und Deutschland: Meist sind es nur zwischen 2 und 5 Vol.-%. Hergestellt wird Cidre vor allem in der Normandie und der Bretagne. Typischerweise wird er aus einer Keramikschale, der Bolée, genossen.

Calvados – destillierter Cidre

Eine andere französische Spezialität ist der Calvados. Dabei handelt es sich um einen Apfelbrand aus der Normandie, der aus Cidre gewonnen wird. Sein Name leitet sich von seiner geschützten Herkunftsbezeichnung, dem Département Calvados, ab – Calvados darf also nur dort produziert werden.

Zur Herstellung von Calvados wird meist Cidre verwendet, der bereits einige Zeit im Holzfass lagern konnte. Traditionell wird der Cidre dann in einem zweistufigen Destillationsprozess in Kupferbrennblasen gebrannt: Nach dem ersten Brenngang entsteht der Rohbrand, das sog. „petite eau“ (kleines Wässerchen), mit einem Alkoholgehalt von etwa 25 Vol.-%. Dieser wird traditionell nochmal für einige Zeit gelagert und dann ein weiteres Mal gebrannt. Der Alkoholgehalt des Feinbrands liegt jetzt bei ca. 70 Vol.-%.

Anschließend wird die Spirituose noch mindestens zwei Jahre lang in Fässern, vorzugsweise aus Eiche oder Kastanie, gelagert. Erst dann wird der Calvados auf Trinkstärke verdünnt und in Flaschen abgefüllt. Wie auch bei anderen fassgelagerten Spirituosen gilt: Je älter der Calvados ist, desto aromatischer ist sein Geschmack und desto dunkler ist seine Farbe. Die Altersbezeichnungen sind ähnlich wie bei Cognac, geben aber andere Altersstufen wieder: Die jüngste Qualität Reservé oder Vieux reift mindestens drei Jahre im Fass. VO ist mindestens vier Jahre gereift, während VSOP mehr als fünf Jahre im Fass verbringen muss. Calvados mit der Bezeichnung Napoléon oder X.O. muss schließlich mehr als sechs Jahre im Fass ausharren, bis er abgefüllt und getrunken werden darf.

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