10 statt 6 Jahre – Warum XO-Cognac jetzt älter wird

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Spezielle Cognac-Shops gibt es hierzulande nicht – trotzdem hat die Spirituose ihre Fans

Cognac, der edle Weinbrand aus der Charente, ist nicht einfach nur irgendein Weinbrand. Er steht für Exklusivität und Prestige wie kaum eine andere Spirituose – und ist trotzdem alles andere als angesagt. Zugegeben: Er hat ein recht konservatives, angestaubtes Image. Während Gin, Wodka und mittlerweile auch wieder Whisky seit Jahren unangefochten die Liste der Trend-Spirituosen anführen, fristet der Cognac ein Nischendasein in den Bars und Wohnzimmern der Republik. Umso überraschender erreichte uns vor einiger Zeit die Nachricht, dass sich beim althergebrachten Edelweinbrand etwas ändert: Das Mindestalter für Cognac der Altersstufe XO wurde am 1. April 2018 von sechs auf zehn Jahre angehoben. Warum? Wer hat das entschieden? Und wird der Weinbrand jetzt teurer? Fragen über Fragen – Herr Korn liefert die Antworten.

Ändern sich nun die Altersbezeichnungen von Cognac allgemein?

Wie gesagt: Cognac ist nicht gerade die angesagteste Spirituose im Markt. Der Edelweinbrand macht es einem aber auch nicht leicht. Aficionados haben hohe Ansprüche und machen es Anfängern schwer – oft haben diese das Gefühl, sie müssten die Spirituose erst studieren, um mitreden und genießen zu können. Außerdem sind die Altersangaben bei dieser Spirituose kompliziert  und undurchsichtig – was den Einstieg nicht einfacher macht. Während beim konkurrierenden Whisky Altersangaben von 10, 12 oder 18 Jahren Standard sind, müssen sich Cognac-Käufer mit Bezeichnungen wie VSOP, XO oder Hors d’âge herumschlagen. Gerade für Einsteiger oder Gelegenheitskäufer wirkt das verwirrend und dadurch eher abschreckend.

Versucht man mit der neuen Altersregelung, diese Komplexität zu reduzieren? Mitnichten, denn hinsichtlich der Altersbezeichnungen bleibt alles beim gleichen Buchstabensalat. Es gibt weiterhin VS-Cognac, der mindestens zwei Jahre alt sein muss und VSOP, der mindestens vier Jahre alt ist. Auch die Bezeichnung XO bleibt erhalten, nur dass XO-Cognac nun statt sechs mindestens zehn Jahre lang reifen muss.

Wer lässt sich sowas einfallen?

Verantwortlich für die Anhebung des Mindestalters von XO-Cognac ist das Bureau National Interprofessionnel du Cognac (BNIC). Das BNIC ist ein interdisziplinärer Interessensverband, der alle Winzer, Hersteller und Händler der Cognac-Region versammelt. Die Änderung kommt also tatsächlich von einem Branchenverband selbst und nicht von einem Gesetzgeber oder bestimmten Hersteller. Und diese Experten werden sich schon etwas dabei gedacht haben.

Warum wird XO-Cognac jetzt älter?

Das weiß vermutlich nur das BNIC selbst. Es ist aber gut möglich, dass der Branchenverband mit der Altersanhebung versucht, das piefige Image des Weinbrands aufzuwerten und ihn so wieder populärer zu machen. Ein angestaubtes Image aufpolieren, indem man die Spirituose noch exklusiver und älter macht? Irgendwie widersprüchlich…

Denkbar ist natürlich, dass man mit der Altersanhebung auf den aktuellen „Genuss-Trend“ aufspringen will, der seit einigen Jahren anhält. Denn Konsumenten sind heute bereit, für hochwertige Produkte auch mehr Geld auszugeben. Ob die Cognac-Produzenten damit mehr Konsumenten erreichen, bezweifle ich allerdings. Vielleicht wollen die Erzeuger auch mit dem großen Konkurrenten, dem (schottischen) Whisky gleichziehen, denn 10-jährige Abfüllungen zählen zum Standardrepertoire der meisten Whisky-Brennereien und sind oft schon für kleines Geld zu haben. Aber auch dieses Argument zieht nicht ganz, denn viele XOs sind eher kostspielig mit Preisen jenseits der 50 Euro.

Wird XO-Cognac jetzt teurer?

Ich glaube nicht, dass die Altersänderung mit einer Preissteigerung einhergeht. Zum einen waren in den oberen Qualitätsstufen ohnehin häufig weitaus ältere Destillate enthalten, als die Mindestanforderung vorgab. XO-Cognac war also zum Großteil sowieso bereits älter als sechs Jahre. Zudem dürften die Lagerhäuser und Keller der großen Hersteller bis unter die Decke gefüllt sein. Da sich die Leute momentan nicht gerade um den Edelbrand reißen, sollten die Hersteller aktuell große Bestände an alten Bränden auf Lager haben, was die neuen Anforderungen an das Mindestalter abfangen dürfte. Höhere Preise würden vermutlich auch zum Verlust von Marktanteilen führen, welche man durch die Änderung wohl eher dazu gewinnen will. Ein Preisanstieg wäre also kontraproduktiv. Wie genau sich die Preise entwickeln hängt natürlich noch von vielen weiteren Faktoren ab.

Wird XO-Cognac jetzt besser?

Ob sich die Qualität von XO-Cognac ändert, bleibt abzuwarten. Ich glaube nicht, dass die Altersänderung einen signifikanten Einfluss auf den Geschmack haben wird. Denn XOs haben auch schon vor dem 1. April, also bevor die neue Regelung in Kraft trat, größtenteils ältere Brände enthalten, als es die Mindestanforderung vorschrieb. Denn es handelt sich ja nur um eine Mindestanforderung. Da die Altersbezeichnung XO nur das Alter des jüngsten im Verschnitt enthaltenen Brands angibt, können auch Destillate enthalten sein, die älter als sechs, bzw. heute zehn, Jahre gereift sind. Viele Rezepturen werden also gleich oder zumindest ähnlich bleiben. Das müssen sie auch, denn Liebhaber mögen es gar nicht, wenn ihr Lieblingsdrink plötzlich anders schmeckt.

Welche Folgen hat das für Dich?

Wahrscheinlich gar keine. Meiner Meinung nach musst Du weder mit einer Preissteigerung rechnen, noch leergeräumte Regale befürchten. Denn einen plötzlichen Popularitätsschub wird der XO-Cognac – zumindest auf dem deutschsprachigen Markt – durch die Altersanhebung von sechs auf zehn Jahre nicht erfahren. Zudem glaube ich nicht, dass das BNIC den Cognac im Allgemeinen durch diese einfache Änderung neu beleben kann. Wir werden sehen.

Du siehst: Alles halb so schlimm und kein Grund zum Hamstern. Trotzdem schadet es natürlich nicht, sich den einen oder anderen guten Tropfen zuzulegen.

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