Tasting-Tag: 3 Gins im Test – Nordés, Whitley Neill, Gunroom

Tasting-Tag: drei feine Gins im Test
Tasting-Tag: drei feine Gins im Test

Hin und wieder hat Captain Korn Lust, etwas Neues zu probieren. Dann verkoste ich die edelsten Tropfen und kippe den fiesesten Fusel, nur um Euch zu sagen, welche Spirituose sich wirklich lohnt. Heute probiere ich drei Gins: 

Nordés Atlantic Gin   |   Whitley Neill Gin   |   Gunroom Whisky Aged Gin

Okay, ich gebe es zu: Ich habe den Großteil des Gin-Booms der letzten Jahre ein wenig verschlafen. Während im wöchentlichen Rhythmus ein anderer Gin en vogue war und ständig neue Marken die Verkaufsregale erklommen, habe ich lieber Whisky getrunken. Anfangs erschloss sich mir der Hype um den Wacholderschnaps nicht wirklich – genauso wenig, wie die Faszination von Gin Tonic. (Wobei mir der Aufwand, der für diesen Drink betrieben wird, teilweise immer noch ein Rätsel ist – vor allem, wenn man ihn mit Gurke verschandelt.)

Mittlerweile aber habe ich Gin kennen und schätzen gelernt. Seine unglaubliche Vielfalt, Vielseitigkeit und seine Mixability sind einzigartig. Außerdem gibt es unter der inzwischen unglaublichen Menge an Ginsorten und -marken ein paar wirkliche Kracher. 

Nordés Atlantic Galician Gin

Regionale Gins mit regionalen Zutaten sind ein Geschenk, das uns der Boom der letzten Jahre beschert hat. Die Wertschätzung von biologischer, regionaler und damit nachhaltiger Ernährung nimmt stetig zu und hat längst den Mainstream erreicht – nicht mehr nur Ökos und Hippies essen Bio. Dementsprechend besinnen sich auch viele Brenner auf ihre Herkunft und das, was ihre Heimat hergibt. Ihre Spirituosen aromatisieren sie mit regionalen Botanicals – was nicht nur nachhaltig ist, sondern auch wunderbare, einzigartige Spirits ergibt.

Ein Gin dieser Sorte ist der Nordés aus Galizien, einer Region in Nordspanien. Die Macher verwenden 15 Botanicals galizischer Herkunft, darunter natürlich Wacholder aber auch Hibiskus, Seetang, Ginster, Kardamom, Lakritze, Ingwer und Tee. Eine weitere Besonderheit ist der Grundstoff, aus dem der Nordés gewonnen wird. Statt wie die meisten Gins aus einem Getreidedestillat, wird der Nordés aus Weißwein der heimischen Rebsorte Albarino destilliert.

  • Optik: Die Flasche ist einzigartig. Weiß lackiert mit einer aufgedruckten Landkarte und vielen kleinen Details. Das gefällt schon mal. Im Glas ist der Gin kristallklar und kaum ölig.
  • Nase: Auf Anhieb fasziniert der Nordés durch sein sehr leichtes, frisches und blumiges Bouquet – ein sommerlich-leichter Drink. Ein Blumenstrauß an floralen Aromen (der Hibiskus und Ginster?) steht im Vordergrund, dazu süße Zitrusaromen, die an Nimm2-Bonbons erinnern. Im Hintergrund ergänzen ein paar Kräuter, Rosmarin und eine Spur Wacholder das Bouquet, was die übermäßige Süße etwas dämpft.
  • Geschmack: Die blumigen Noten haben auch den Geschmack voll im Griff. Etwas scharf und prickelnd liegt er auf der Zunge – fast so, als hätte man sich mit dem Parfüm-Flakon einmal in den Mund gesprüht. Vom Wacholder schmeckt man zunächst kaum etwas. Statt seine typischen harzigen Kiefernadelaromen bringt der Wacholder hier eher krautige Noten ein. Diese Kräuternoten stehen im Mittelteil im Vordergrund. Zudem ist immer noch die Nimm2-Süße vorhanden sowie ein paar salzige Atlantik-Einflüsse.
  • Abgang: Der Abgang ist recht lang aber leider fast unangenehm adstringierend – der paniert die Mundhöhle schon ziemlich aus. Dabei schmeckt man weiterhin die parfümig-blumigen und sehr süßen Bonbon-Noten.
  • Fazit: Der Nordés ist sicherlich nichts für Fans von klassischen Dry Gins. Er ist so untypisch, dass er mich eher an einen Grappa erinnert, denn der Wacholder tritt kaum in Erscheinung. Einzigartig ist allerdings die blumige Süße, die allerdings fast alle Kräuternoten überdeckt. Abzüge gibt es auch für den stark adstringierenden Abgang.

Hier könnt Ihr den Nordés Atlantic Galician Gin kaufen.*

Whitley Neill Dry Gin

Weit klassischer als der Nordés kommt unser zweiter Kandidat des Tages, der Whitley Neill Dry Gin, daher. Auch der steht für einen typischen Trend der Gin-Welle: exotische und ausgefallene Botanicals. Von Erdbeere über Tomate und Gurke bis hin zu tropischen Früchten – erlaubt ist, was schmeckt.

Auch der Whitley Neill zieht seinen besonderen Charakter aus ein paar einzigartigen Zutaten. Zwar wird er in England hergestellt aber viele seiner Botanicals stammen vom afrikanischen Kontinent, u.a. die Früchte des Baobab-Baums sowie Kapstachelbeeren, besser bekannt als Physalis. Destilliert wird der Whitley Neill ganz traditionell in Handarbeit in einer Kupferbrennblase. Schließlich wird er mit 43 Vol.-% abgefüllt.

  • Optik: Der Whitley Neill verhält sich zum Nordés wie Yin zu Yang. Während die Nordés-Flasche weiß lackiert ist, zieht der Whitley Neill die Blicke durch eine schwarze Lackierung auf sich. Im Mittelpunkt steht der rote Baobab-Baum. Beide Flaschen nebeneinander in der Bar sind ein echter Eyecatcher.
  • Nase: Eine schöne, harzige Wacholdernote dominiert den klassisch anmutenden Gin. Langsam steigt ein bitterer, frischer Zitrusnebel nach oben, der die Wacholderschwere umschließt und etwas dämpft. Im Hintergrund tummeln sich währenddessen ein paar fruchtige Aromen.
  • Geschmack: Anfangs zeigt sich der Whitley Neill lebhaft und kraftvoll mit einer fast Chili-artigen Schärfe. Insgesamt ist er sehr frisch und zitruslastig mit bitterer Zitronenschale und Physalis. Der Wacholder kommt erst im Mittelteil richtig zum Tragen und auch den erdig-zitronigen Einfluss der Koriandersamen schmeckt man nun.
  • Abgang: Der Abgang ist kurz und erinnert entfernt an britisches Lemon Curd.
  • Fazit: Der Whitley Neill ist ein ziemlich klassischer, trockener Dry Gin mit starken Zitrusnoten. Schön für klassische Cocktails mit Twist. Kaufempfehlung!

Hier kannst Du den Whitley Neill Dry Gin kaufen.*

Gunroom London Dry Gin – Aged in Whisky Casks

Zuletzt ein dritter Trend – oder vielmehr eine Wiederentdeckung – die uns der Boom der letzten Jahre geschenkt hat: in Holzfässern ausgebauter Gin. Eigentlich ist das nichts Neues, denn Fassreifung war im 18. und 19. Jahrhundert für Gin das normalste der Welt. Glasflaschen waren damals noch teuer und zerbrechlich. In Holzfässer gefüllt aber konnte der Brand problemlos nach Übersee transportiert werden. Ein schöner Nebeneffekt: Die Fasslagerung verlieh ihm einen besonderen Charakter, machte ihn milder und fügte neue Geschmacksnoten aus dem Fass hinzu.

Der schwedische Gunroom Gin feiert diese Geschichte mit einer Lagerung im Whiskyfass. Die ausgewählten Botanicals – darunter neben den üblichen Verdächtigen Wacholder, Koriander, Zitronenschale und Angelikawurzel auch Zimtkassie, Bohnenkraut und Muskat – werden in Alkohol mazeriert. Anschließend wird in Kupferbrennblasen destilliert. Nach dem Brennen wird der Brand zur Reifung für 45 bis 60 Tage in ehemalige Whiskyfässer gefüllt. In die Flasche kommt er mit ehrlichen 43 Vol.-%.

  • Optik: Die grüne Flasche erinnert ein wenig an ein altes Medizinfläschchen. Im Glas ist der Spirit nicht klar, sondern leicht trübe, was von der Fassreifung herrührt.
  • Nase: Noch nicht mal eingeschenkt, steigt aus der Flasche schon ein muffiger Mief von feuchten Holzplanken und eingestaubten Bücherregalen. Im Hintergrund aber nimmt man einen Strauß von Kräuteraromen und Wacholder wahr. Schenkt man den Gunroom ins Glas, legt er einen 180°-Kickflip hin und zeigt sich von einer ganz anderen Seite. Nun ist er frisch mit Zitrone und kiefernwaldigem Wacholder.
  • Geschmack: Während sich der Gunroom im Antritt noch recht klassisch mit ausgeprägten Wacholder- und Kräuternoten zeigt, wird er zum Mittelteil hin frischer. Nun stehen belebende Anisnoten im Vordergrund und schließlich ein wenig Kümmel und Muskat.
  • Abgang: Der Abgang ist für einen Gin bemerkenswert lang, holzig aber dennoch weich auf der Zunge. Hier kann die Fasslagerung ihr volles Potenzial ausspielen.
  • Fazit: Im Grunde ein klassischer, wacholderlastiger London Dry Gin. Durch die Fasslagerung erhält er ein holziges und weiches Finish, das den Wacholder gekonnt einbettet. Die belebenden Kräuternoten geben dem Gunroom das gewisse Extra. Schön!

Hier kannst Du den Gunroom London Dry Gin kaufen.*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.