Raus aus der Filterblase! – Ein Plädoyer für mehr Genuss und Weitsicht

Ein Blick über das Meer auf den Horizont
Weitsicht ist gefragt – auch beim Genuss

Trink mal drüber nach… Wir leben in einer seltsamen Zeit. Einerseits rühmen wir uns unseres Fortschritts, andererseits sind viele unserer Ansichten im Gestern verwurzelt. Obwohl es heute einfacher denn je ist, die Welt zu bereisen und Informationen zu finden, schaffen wir es dennoch nicht, über den Tellerrand zu blicken. Vielleicht liegt’s an der berühmt-berüchtigten Filterblase, die Eli Pariser in The Filter Bubble (2011) beschreibt:

Algorithmen und Künstliche Intelligenz personalisieren Webseiten und Nachrichtenangebote soweit, dass sie nur noch die Informationen anzeigen, die ohnehin unseren Ansichten entsprechen. Neues zu erfahren ist schwierig. Denn die Filterblase bestimmt unsere Weltsicht, unsere Einstellungen und sogar unsere Entscheidungen. Unser Umfeld bestätigt diese Ansichten oft noch, denn wir suchen uns gerne Freunde, die ähnliche Einstellungen haben. Wir sehen die Welt durch einen Filter und sind ein Stück weit in dieser Blase gefangen.

Raus aus der Genuss-Filterblase!

Was hat das nun mit Spirituosen zu tun? Nun, ich nenne es mal die Genuss-Filterblase. Aufgrund der Informationsblase, die uns umgibt, sind wir relativ festgefahren in unseren Einstellungen – und damit auch in unseren Auffassungen von Qualität und Geschmack.

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“, besagt eine alte Binsenweisheit, in der viel Wahrheit steckt. Unser alltäglicher Speiseplan besteht häufig aus bestimmten Grundrezepten, die mal mehr mal weniger variiert werden. Alles, was außerhalb dieser Essgewohnheiten liegt, wird bestenfalls als exotisch, meist aber als fremd, eklig oder minderwertig abgestempelt. Dabei führt einer der besten Wege, neue Kulturen kennenzulernen, über deren Speisen und Getränke. Nur wenn man deren Essen probiert, kann man eine Kultur buchstäblich in sich aufnehmen.

Klar, Geschmack ist immer subjektiv und Geschmäcker sind unterschiedlich. Aber wenn du in deinen Einstellungen zu verhaftet bist, hindert dich das daran, neue (Genuss-)Erfahrungen zu machen und deinen Horizont zu erweitern. Und eben dieses Phänomen gibt es auch unter Spirituosen-Fans.

Die Hardcore-Whisky-Fraktion – Bloß nicht mixen…

Ein typisches Beispiel sind die Hardcore-Scotch-Aficionados. Diese urteilen von ihrem hohen Ross aus abfällig über alles, was nicht aus Schottland kommt, zu 100% aus Gerstenmalz besteht und mindestens ein Dutzend Jahre im Fass gereift ist. Nach ihrem Verständnis ist Single Malt Scotch Whisky das einzig Wahre. Bourbon ist eine süße Plörre, die Iren sind zu lieblich und Whiskys aus anderen europäischen Ländern sind billige Scotch-Kopien. So was trinkt man nicht. Selbst Whiskys ohne Altersangabe sind fragwürdig. Und ein weiteres Sakrileg: Whisky mischt man nicht.

Schade eigentlich, denn mit dieser Einstellung wirst du deinen Genusshorizont nie erweitern können. Doch auch andere Mütter haben schöne Töchter – und andere Länder haben gute Whiskys. Es gibt Bourbons von Weltrang, hervorragende Irish Whiskeys und selbst die deutsche Whiskylandschaft bietet Abfüllungen, die locker mit den Schotten mithalten können. Die heiß-diskutierten NAS-Whiskys (No Age Statement = Whisky ohne Altersangabe) müssen nichts Schlechtes sein. Meiner Meinung nach bieten sie Brennereien die Möglichkeit zu experimentieren und neue Geschmacksprofile zu kreieren – in der Tat sind einige meiner Lieblingstropfen NAS-Whiskys. Und wer noch nie Cocktails mit rauchigen Single Malts probiert hat, dem ist was entgangen. Auch Ginger Beer, Tonic, Soda oder Kokoswasser tun so manchem Malt gut.

Erweitere deinen Genuss-Horizont

„Liebe geht durch den Magen“, besagt eine weitere Binsenweisheit. Ich glaube: Auch Wissen geht durch den Magen. Wenn man Neues probiert, kann man Vieles lernen – über Genussmittel und Zutaten, über die Natur, aus der sie stammen, über die Menschen, die sie herstellen und genießen, und über deren Kultur.

Neues zu erfahren und über den Tellerrand zu blicken, ist heute wichtiger denn je. Denn nicht nur die digitale Filterblase beeinflusst unsere Weltsicht. Der Populismus hat Hochkonjunktur und gewisse Menschen, die im ewigen Gestern leben, verbreiten ihren Hass auf allen Kanälen. Und was anders ist, ist entweder „Fake News“ oder grundsätzlich schlecht.

Umso wichtiger ist es, dem entgegenzuwirken – und zwar auf allen Ebenen! Setze dich mit anderen Sichtweisen auseinander, diskutiere, informiere dich aus verschiedenen Quellen und suche neue Erfahrungen. Deshalb mein Plädoyer: Probiere Neues! Im besten Fall erweiterst du deinen Horizont, im schlimmsten Fall gibt’s immer noch Cola zum Mischen.

An dieser Stelle vielen Dank an Verena vom Blog Fine Skill. Dieser Artikel entstand im Rahmen ihrer Blogparade zum Thema Filterblase. Fine Skill veranstaltet jeden Monat eine neue Blogparade – also schaut mal vorbei.

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