Mia san Bier! – Ein Ausflug ins Giesinger Bräu

Das Sortiment vom Giesinger Bräu
Das bunte Sortiment des Giesinger Bräu – bayerisch, craftig, gut

Heute geht’s zur Abwechslung mal nicht um Hochprozentiges, sondern um Bier. Warum? Weil ich es kann! Und weil der gemeinsame Nenner hier Trinkgenuss heißt. Schnall dich also an, denn heute unternehmen wir einen Ausflug in Deutschlands Bierhauptstadt München. Auf zum Giesinger Bräu!

„Mia san mia“, sagen die Bayern gern. Wir sind halt ein sehr eigenes kleines Völkchen. „Mia san Bier“ behauptet das Giesinger Bräu aus München. Klar, Bier und Bayern – das gehört zusammen wie Pech und Schwefel, Karl Valentin und Liesl Karlstadt, Weißwürste und Brezn… Und wie die Bayern haben auch die Leute vom Giesinger Bräu ihre Eigenheiten – im positiven Sinn. Denn im Herzen von Giesing brauen sie ausgefallene, authentische und leckere Bierspezialitäten, die den Münchner Großbrauereien den Kampf ansagen.

Giesinger Bräu – von der Garage zur neuen Brauerei

Das Giesinger Bräu (die Giesinger Biermanufaktur & Spezialitäten Braugesellschaft mbH, so der volle Name) liegt im Herzen des namensgebenden Münchner Stadtviertels Giesing – eingebettet zwischen der imposanten Heilig Kreuz Kirche, dem bundesweit ersten McDonald’s und dem Sechzger-Stadion. Hier schlägt das Herz des ehemaligen Arbeiterviertels. Hier holen sich die Löwen-Fans ein Bier vor dem Fußballspiel.

Ein frühes Etikett für Giesinger Starkbier
Ein original Giesinger Frühwerk – Starkbier-Etikett aus Kinderhand

Und hier hat Geschäftsführer und Co-Gründer Steffen Marx zusammen mit einigen Mitverschworenen 2006 in einer Garage das Bierbrauen begonnen. Ganz klein, Liter für Liter hat das Brau-Team die Gaumen der Giesinger erobert, bis die Garagen-Brauerei nach ein paar Jahren zu eng wurde, um den zunehmenden Durst zu stillen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen – von Flaschendiebstählen über unzählige Bier-Experimente bis hin zu nicht ganz legalen Etikettendesigns – wurde genügend Geld per Crowdfunding gesammelt, um 2011 die heutige Brauerei am Giesinger Berg zu eröffnen.

Ende 2019 wird schließlich die neue Brauerei im Münchner Stadtviertel Milbertshofen eröffnet. Hier soll voraussichtlich das absatzstarke Helle – die Untergiesinger Erhellung – produziert werden, während am Giesinger Berg weiterhin andere Sorten und Spezialbiere in kleineren Chargen gebraut werden.

Am neuen Standort will Giesinger Bräu so viel Bier produzieren, um den Marktanteil von 1 Prozent in München zu knacken. Vergleicht man diesen Output mit den „Big 6“ aus München, wirkt das Giesinger gerade zu verschwindend klein. Doch man will wachsen, wie Steffen Marx erklärt, um den deutschen Bierdurst von jährlich 1 Hektoliter pro Kopf zu stillen. Von lokal über regional zu national? Oder gar ein eigenes Zelt auf dem Oktoberfest?

Bis dahin ist es sicher noch ein weiter Weg. Der muss finanziert werden. Wieder vertrauen die Giesinger auf Crowdfunding und „Bier-Kredite“. „Außerdem muss das Bier teurer werden“, so Marx. Das ist wohl die Schattenseite des Wachstums. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Hauptsache, Marx und Co bleiben trotz aller Expansion die authentischen und experimentierfreudigen Burschen und Mädls vom Giesinger Berg.

Das Biersortiment im Giesinger Bräu

Steffen Marx in den heiligen Hallen des Giesinger Bräu
Steffen Marx in den heiligen Hallen des Giesinger Bräu

Das Biersortiment im Giesinger Bräu ist vielseitig, ausgefallen und ur-bayrisch zugleich. Das Portfolio besteht aus fünf Hauptsorten, fünf Spezialbieren und wechselnden limitierten Craft-Bieren. Für jeden Geschmack ist also etwas dabei. Das Bier kann man sich im Giesinger Bräustüberl zu klassischen Schmankerln mit modernem Twist schmecken lassen. Besonders sympathisch: Auf der Getränkekarte stehen neben den eigenen Bieren auch Whisky und Gins aus Bayern sowie Wirtshausklassiker wie Rüscherl, Goaßmaß und Laternenmaß – diese bodenständigen Drinks kenn ich sonst nur vom Land.

Auch der Brauprozess an sich ist eher untypisch. Nach einer Woche Gärung in offenen (!) Gärbottichen darf das Bier drei Wochen lang bei 0°C lagern, bevor es in die schicken Flaschen abgefüllt wird. An neuen Rezepturen wird lange und im Team gefeilt.

Warum steht (noch) kein Bio-Bier auf der Karte?

„Ein Bio-Bier würde die anderen Marken schwächen. Wenn nur auf einem unserer Biere „Bio“ steht und auf den restlichen zehn nicht, würde der Absatz dieser zehn Nicht-Bio-Biere vermutlich einbrechen. Denn viele greifen heute lieber zu Bio-Produkten. Vielleicht produzieren wir in Zukunft tatsächlich mal ein Bio-Bier, aber bis dahin setzen wir lieber auf hochwertige Zutaten und ehrliche Handarbeit.“

Steffen Marx, Geschäftsführer und Co-Gründer des Giesinger Bräu

Probierte Biere – die Erhellung auf dem Giesinger Berg

Auf einem tollen Blogger-Event, das Katja vom WellSpaPortal organisiert hat (ihren Bericht übers Giesinger findest du hier)  hatte ich die Gelegenheit, nicht nur das Team des Giesinger Bräu näher kennenzulernen, sondern natürlich auch einige der Bierspezialitäten zu probieren.

Untergiesinger Erhellung

Das Aushängeschild der Brauerei – und eines meiner liebsten Alltagsbiere. Ein frisches, leichtes Naturtrübes Kellerbier, das ausschließlich aus Aromahopfen und Malz aus dem Münchner Umland gebraut wird. Erfrischend, süffig und nicht überfordernd – ein super Bier für jeden Tag.

Münchner Pils

Das einzige unfiltrierte Pils Münchens. Der Münchner ist ja eher ein geneigter Helles-Trinker. Dennoch ist das Pils die drittstärkste Sorte des Giesinger Bräu. Vielleicht liegt’s dran, dass es nicht so herb und bitter ist wie herkömmliche Pils. Das kommt dem Münchener Gaumen entgegen. Untypisch ist auch der hohe Alkoholgehalt von 5,7 Vol.-%. Fazit: Anders aber gut.

Giesinger Dunkel

Da legst di nieder! Nach dem Dunkel vom Giesinger Bräu schmeckt jedes andere Bier wie Heineken. Das Dunkel ist ein Bier mit vollmundigem, kernigem Geschmack: malzig, wuchtig und voller Röstaromen. In der Nase kommt es schon fast rauchig daher. Das liegt am dunklen Münchner Malz und der langen Lagerung. Was für ein geiles Biest!

Lemondrop Triple

Zum Schluss noch ein Bier aus der Craft-Sparte des Giesinger Bräu. Das Lemondrop Triple ist ein hopfenbetontes, bitteres Bier mit deutlichem Geschmack nach Limettenschale. Eine gelungene Balance aus fruchtig und herb.

Drink Local – ein Besuch im Giesinger Bräu lohnt sich

Liebe Bierfreunde, ein Besuch im Giesinger Bräu lohnt sich. Denn das vielseitige Biersortiment erfüllt alle Wünsche: von bodenständig bayrisch bis ausgefallen Hipster-freundlich. Außerdem sind Brauereigründer Steffen Marx und sein Team klasse Leute. Die nächsten Jahre werden spannend und viel Veränderung für das Giesinger Bräu bringen – als Giesinger hoffe ich, nur gute.

Wer also bei seinem nächsten München-Besuch eine Abwechslung zu den bekannten sechs Großbrauereien der Stadt sucht, findet die Erhellung auf dem Giesinger Berg.

Das feine Pils vom Giesinger Bräu
Das feine Pils vom Giesinger Bräu – Prost!

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