Bonjour, ich bin Marc – Mein erster Tresterbrand aus Frankreich

Marc ähnelt dem Grappa
Marc ist das französische Pendant zum italienischen Grappa – dieser hier reifte 5 Jahre in Barriques

Ich bin mittlerweile zu einem großen Grappa-Fan mutiert. Als ich mich vor einiger Zeit im Italienurlaub näher mit diesem feinen Tresterbrand auseinandergesetzt habe, war ich fasziniert. Es gibt doch tatsächlich besseren Grappa als den gratis Magenverdreher vom Pizza-Italiener nebenan. Tatsächlich erwartete mich eine unglaubliche Vielfalt: Grappa aus unterschiedlichen Traubensorten, Cuvée oder sortenrein, jung oder gereift, in verschiedenen Fässern ausgebaut und vieles mehr. Es gibt viel zu entdecken!

Abgesehen von Grappa ist Tresterbrand aber immer noch ein schwarzer Fleck auf meiner Spirituosen-Weltkarte. Ich habe schon zwei, drei Tresterbrände von deutschen Weingütern probiert, aber das war’s dann auch schon. Bis ich vor Kurzem meinen ersten Marc verkostet habe…

Wer ist eigentlich dieser Marc?

Marc ist Franzose und mag Schokolade. Nö, Quatsch! Eigentlich ist der Marc, von dem ich hier schreibe, ein Tresterbrand aus Frankreich – quasi das französische Pendant zum Grappa. Der Name Marc kommt vom altfranzösischen Wort marcher, was so viel heißt wie „zerkleinern“ (weil man Früchte vor dem Einmaischen zerkleinern muss).

Wie alle anderen Tresterbrände wird Marc aus den Rückständen der Weinherstellung hergestellt, also aus den Schalen, Stängeln und Kernen von Weintrauben. Tresterbrände sind somit die wahrscheinlich schmackhafteste Art der Abfallverwertung.

Seine charakteristischen Eigenschaften erhält der Marc – wie andere Tresterbrände auch – durch das jeweilige Weinanbaugebiet bzw. Terroir sowie die verwendete Traubensorte. Am bekanntesten ist hierzulande der Marc de Champagne. Dieser wird bevorzugt in Schokoladentrüffeln und Pralinen verwendet und darf – wie der Champagner – nur in der Champagne und aus den drei Rebsorten Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay produziert werden.

Welchen Marc probieren wir heute?

Für unseren heutigen Test verkosten wir einen Vieux Marc 5 ans aus dem Château les Bouzigues. Das ist das hauseigene Weingut der World of Wine Weingeschäfte in München.

Der edle Marc wird ausschließlich aus dem gutseigenen Trester der Spitzenrotweine vom Château les Bouzigues gebrannt. Die Destillation erfolgt nach alter Tradition in zwei Durchgängen in Kupferbrennblasen, wobei beide Male nur das Herzstück weiterverarbeitet wird. Das ist beachtlich. Danach lagert der Brand für fünf Jahre in Barriques mit 225 Litern Volumen – zum Teil werden auch neue Fässer verwendet. Vor dem Abfüllen mit 40 Vol.-% werden weder Zuckercouleur noch Karamellsirup zugesetzt, um Aroma oder Farbe zu korrigieren – also Natur pur.

Das klingt doch vielversprechend! Aber wie schmeckt dieser Marc?

Wie schmeckt der Vieux Marc 5 Jahre?

Aussehen

Durch die fünfjährige Reifezeit im Barrique besitzt die Spirituose eine strohgelbe Farbe.

Geruch

Insgesamt riecht der Marc sehr blumig und fruchtig. Vor allem nehme ich Orangenabrieb und Mango wahr. Nach einer Weile macht er dann eine schöne Veränderung durch und wird komplexer. Der Brand riecht nun nach dem, was ich am ehesten als Gewächshausluft und Balkonblumen (warm, staubig, erdig, blumig, parfümig) beschreiben kann.

Geschmack

Knackig im Antritt und leicht prickelnd auf der Zunge. Der Marc gibt Gas, wird dann aber schnell milder und sehr weich. Ich schmecke Apfel, Traubenkerne und ein paar grüne Blumenstängelnoten. Dezente Eichenwürze und ein leicht staubiges Mundgefühl bilden den Unterbau.

Abgang

Der Abgang ist schön vollmundig und lang. Wieder schmecke ich Traubenkerne und etwas Grünes sowie blumige Noten. Nun kommen auch die fünf Jahre im Barrique so richtig zum Tragen: trocken, leicht adstringierend, Eiche und ein Hauch verstaubter Dachboden.

Fazit: Für wen ist Marc geeignet?

Der Marc aus dem Hause Château les Bouzigues war zwar mein erster Franzose, aber er wird sicherlich nicht der letzte bleiben. Natürlich erinnert er sehr an Grappa – Herstellung und Grundstoff sind ja schließlich dieselben. Trotzdem kommt speziell beim verkosteten Exemplar die Fassreifung sehr schön durch – ausgeprägter und trockener als bei jedem Grappa, den ich bisher kenne.

Zusammengefasst: Fruchtig, blumig und weich. Die Fassreifung verleiht dem Vieux 5 Ans vom Château les Bouzigues eine feine Frucht sowie individuelle Noten von Eiche, Gewächshaus und Dachboden – im positiven Sinne. Wer Grappa kennt und mag, sollte auch der Verwandtschaft aus Frankreich eine Chance geben.

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