Likör-Test: Tormentill Blutwurz-Likör

Eine Flasche Tormentill Blutwurz-Likör
Tormentill Blutwurz-Likör – „Natur in der Flasche“

[Werbung] Blutwurz ist nicht jedermanns Sache. Trotzdem findet man in fast jedem Haushalt eine angestaubte Steingutflasche von Penninger und Co. Der Schnaps aus den Wurzeln des Blutwurzes fristet nur allzu oft ein trauriges Nischendasein in Opas altem Weinregal. Doch zwei Jungs aus München wollen mit diesem angestaubten Image aufräumen und präsentieren den Blutwurz im neuen Gewand. Tormentill nennen sie ihren Likör. Wie der schmeckt, sehen wir uns im heutigen Tasting an.

Tormentill – Pestmedizin oder trendiger Drink?

Viele können mit dem charaktervollen Geschmack von Blutwurz-Likör nichts anfangen. Der krautige, bittere, teils erdige Geschmack wird gern so beschrieben: „Schmeckt nach Hustensaft“. Tatsächlich galt Blutwurz in der Volksmedizin lange Zeit als Allheilmittel gegen allerlei Gebrechen – von Durchfall über Hautausschläge und Blutergüsse bis hin zu Entzündungen. Sogar Rezepte gegen Pest und Cholera sind überliefert. Und noch heute vertraut so manche Großmutti auf einen ordentlichen Schluck Blutwurz bei Husten und Heiserkeit – oder wenn das Essen mal wieder besonders fett war.

Gehört der Tormentill-Likör also eher in die Hausapotheke statt in die Bar? Eher nicht, obwohl der Name schon sehr speziell klingt: Einerseits nach Medizin, andererseits nach „to torment“, Englisch für „foltern“. Doch ich hoffe nicht, dass der Genuss dieses Tropfens einer Folter gleichkommt.

Keine Angst, Tormentill ist schlicht und einfach ein alter Name für Blutwurz. Zumindest mit dem Namen haben die Macher sich also schon mal gegen das angestaubte Image der Wurzelspirituose durchgesetzt.

Natur in der Flasche

Laut Hersteller ist Tormentill „Natur in der Flasche“. Das ist zumindest die Idee hinter dem Produkt: Ein Likör, der regional verwurzelt ist und „die Reinheit und Ruhe des Bayerischen Waldes in sich trägt“. Das klingt fast schon poetisch – und herrlich nichtssagend.

Angeblich basiert der Likör sogar auf einem über Generationen weitergegebenen Rezept. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Gewiss ist jedoch, dass der Tormentill mehrere Monate reifen darf, um die Farbe und den Geschmack der handverlesenen Wurzeln und Kräuter aufzunehmen. Anschließend wird von Hand abgefüllt und mit Gmunder Papier etikettiert. Das ist ziemlich fancy und sieht zugegeben recht schick aus.

Wie schmeckt der Tormentill Blutwurz-Likör?

Aussehen

Der Tormentill leuchtet in einer schönen, tiefroten Farbe, die an Kirschsaft erinnert. An den Rändern schwenkt sie ins Orange-Gelbe über. Außerdem ist der Likör schön ölig und zieht gleichmäßige Bögen am Glasrand.

Geruch

Stolze 50 Vol.-% hat das Zeug. Trotzdem riecht der Tormentill mild und angenehm. Ich rieche vor allem eine bittere Kräuternote, aber auch etwas Frische und Süße. Nicht sehr differenziert oder aufregend, dafür aber nett.

Geschmack

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Opa-Schnaps oder Trendgetränk? Die Antwort: Der Tormentill ist irgendwie beides. Zum einen besitzt er den typischen hustensaft-ähnlichen Geschmack, den Blutwurz eben hat. In seinen schwächsten Momenten erinnert er an den piefigen Kräuter-Digestif, den Opa gern nach dem Schweinsbraten-Mahl aus der Ecke zieht. Zum anderen verbirgt sich hinter dieser Kräuterschnaps-Fassade ein durchaus raffinierter Geschmack nach dunkler Schokolade, Marzipan, Zitrone und allerlei Kräutern. Und auch schön: der hohe Alkoholgehalt ist super eingebaut.

Abgang

Der Tormentill bleibt noch lange am Gaumen hängen. Ich schmecke noch Kräuter, etwas Schokolade und für meinen Geschmack zu viel Zucker.

Wer sollte den Tormentill kaufen?

Hat der Tormentill sein Ziel, den Blutwurz-Likör aus der angestaubten Opa-Ecke herauszuholen, erfüllt? So halb vielleicht. Den Versuch, dem Blutwurz neues Leben einzuhauchen, haben schon viele versucht – auch der Platzhirsch Penninger. Gelungen ist das nur mit mäßigem Erfolg. Zwar kann man mit Blutwurz echt verrückte Sachen anstellen, aber massentauglich ist der Spirit nicht.

Der Tormentill schmeckt natürlich zuallererst so, wie Blutwurz eben schmeckt. Zwar ist er schön mild und bekömmlich mit gut integriertem Alkohol – aber er schmeckt halt auch nach bitterem Kräuterdigestif und Hustensaft (zumindest würden ihn viele vermutlich so beschreiben). Doch es lohnt sich, hinter diese Fassade zu blicken. Lässt du dich auf den Likör ein, erwartet dich ein schönes Potpourri aus Kräutern, Schoki, Marzipan und Zitrusfrische.

Und was macht man nun damit? Klassisch kann man den Tormentill natürlich als Digestif trinken. Doch zum Kippen ist er fast zu schade und zu teuer. Deshalb lieber mit Zeit, Muße und Eis genießen. Dann kommt fast ein italienisches Amaro-Feeling auf.

Pro-Tipp: Mix dir nen Negroni – nur mit Tormentill statt Campari: einfach 2cl Tormentill, 2cl Gin (ich habe Woodland genommen) und 2cl roten Wermut auf Eiswürfeln verrühren. Voilà, ein feiner Aperitif. Wohl bekommts!

Den Tormentill Blutwurz-Likör kannst du direkt beim Hersteller kaufen.

Die harten Fakten

Spirituose Tormentill
Herkunft Tormentill Fine Spirits, München, Deutschland
Sorte Blutwurz-Likör
Alkoholgehalt 50 Vol.-%
Reifung mehrere Monate (sorry, mehr Info gibt’s nicht)
Fazit Vordergründig altmodischer, süßer Kräuterlikör, der bei genauerem Hinschmecken ein raffiniertes Potpourri aus Schokolade, Marzipan, Frische und Kräutern preisgibt.

Disclaimer: Ich bin laut Telemediengesetz §6 dazu verpflichtet, diesen Beitrag als Werbung zu kennzeichnen. Die genannte Spirituose aus dem Artikel habe ich als Testmuster vom Hersteller kostenlos zum Testen erhalten. Etwaige Bewertungen werden von der kostenlosen Bereitstellung nicht beeinflusst und erfolgen nach eigenem Ermessen.

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