Lebewohl, Strohhalm! – Alternativen zum Plastikstrohhalm

Bald gibt es keine Strohhalme aus Plastik mehr
Die EU macht dem Plastik-Strohhalm den Gar aus. Welche Alternativen gibt es. Wird das unser Trinkverhalten verändern?

Manche klammern sich an ihn, wie an einen Rettungsring, als hinge ihr Leben davon ab. Manche nutzen ihn als Zeitvertreib während endlos-öder Bargespräche. Andere wiederrum verwenden ihn als Nervenfutter und kauen nervös auf ihm herum. Doch egal, als was er herhalten muss: Stets erträgt er geduldig seine Pein und tut zuverlässig seinen Dienst – ein Fels in der Cocktailbrandung.

Die Rede ist vom Strohhalm, dem kleinen unscheinbaren Begleiter unzähliger Drinks und Cocktails. Wir kennen ihn als schlichte, einfarbige Plastikröhre, aber auch mit keckem Knick oder in extravaganten Formen und Mustern. Egal in welcher seiner vielfältigen Erscheinungsformen er auftritt: Der Strohhalm gehört zum Standardinventar in der Cocktailszene geworden. Doch er hat es nicht leicht.

Strohhalm: Love it or hate it

Vielen männlichen Trinkern gilt er als weibischer Firlefanz, weshalb sie sich furchtbar aufregen, wenn ein Trinkhalm auch nur in die Nähe ihres Drinks kommt. Er wird mit Cocktailschirmchen und Rührstäbchen gleichgesetzt und rüde weggeworfen. Andere wiederum missbrauchen den kleinen Kerl aufs Schlimmste. Er wird geknickt, zerkaut und als Spieß für Cocktailgarnituren verwendet, als Zahnstocher malträtiert oder muss als Blasrohr herhalten – ganz zu schweigen von dem Kerl, den ich mal dabei beobachtet habe, wie er sich mit dem Stohhalm im Ohr rumgefriemelt hat…

Dabei ist die Verwendung eines Strohhalms doch eigentlich denkbar einfach – aber anscheinend nicht für jeden ersichtlich.

Als wäre das noch nicht genug, setzt nun auch die Politik dem Strohhalm übel zu: Denn die EU-Kommission hat bereits vor einiger Zeit beschlossen, dass Plastik-Wegwerfartikel in der EU verboten werden sollen – darunter der Plastikstrohhalm, der uns Jahre lang die Treue gehalten hat. Bye bye, Plastikröhrchen!

Ohne Plastik-Strohhalm weniger Müll im Meer

Doch genug der romantischen Verklärung! Denn eigentlich ist ein Verbot von Plastikstrohhalmen ein richtiger und wichtiger Schritt hin zu einer sauberen, nachhaltigen Zukunft. Neben Trinkhalmen betrifft das geplante Verbot auch andere Einweg-Plastikartikel wie Plastikbesteck, Wattestäbchen und diese unnützen Ballonhalter, die Luftballone ihrer ursprünglichen Bestimmung berauben: Fliegen. Ziel des Plastikverbots ist es, die Umwelt und vor allem unsere Meere zu schützen. Denn ein Großteil des Plastikmülls landet in den Ozeanen.

Allein in der EU entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen weniger als 30 Prozent recycelt werden. Von den übrigen 70 Prozent, die nicht wiederverwertet werden, landet ein Großteil auf Müllkippen oder in der Umwelt – und findet von dort aus seinen Weg in die Meere. Schätzungen zufolge treiben in den Ozeanen riesige Müllteppiche, die aus 140 Millionen Tonnen Plastik bestehen. Zudem bestehen etwa 85 Prozent des Mülls an europäischen Stränden aus Wegwerfprodukten aus Plastik. Dass das nicht nur verheerende Folgen für Fische und Vögel, sondern auch für uns Menschen hat, sollte jedem klar sein – Stichwort „Mikroplastik“.

Verbot von Einweg-Plastikartikeln

Um eben dieses enorme Müllaufkommen zu reduzieren, plant die EU ein Verbot bestimmter Einweg-Plastikartikel, z.B. Plastikteller und -besteck, Strohhalme und Plastikstäbchen zum Umrühren. Diese und weitere Wegwerfprodukte aus Kunststoff sollen bereits 2021 in der EU verboten sein. Darauf haben sich die EU-Kommission und die EU-Staaten Mitte Dezember 2018 geeinigt. Zudem sollen bis 2030 alle Kunststoffe wiederverwertbar sein. Für die verbotenen Plastikartikel sollen wiederverwertbare oder umweltfreundliche Alternativen gefunden werden.

EU-weit sollen durch die Richtlinie 3,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart und so bis 2030 Umweltschäden in Höhe von 22 Milliarden Euro vermieden werden – zumindest ist das der Plan.

Welche Alternativen gibt es zum Plastik-Strohhalm?

Betroffen vom Kunststoffbann ist auch der gute alte Plastik-Strohhalm. Eine echte Alternative zum bewährten Strohhalm aus Kunststoff zu finden, ist allerdings gar nicht so einfach. Denn trotz seiner umweltschädigenden Nachteile hat das Plastikröhrchen auch einige Vorteile: Trinkhalme aus Plastik sind stabil, preisgünstig und sie lassen sich in allen erdenklichen Farben und Formen herstellen. Allerdings können sie auch gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie BPA enthalten, unangenehm nach Plastik schmecken und nicht wiederverwendet werden. Welche Alternativen gibt es also?

Edelstahl

Trinkhalme aus Edelstahl sehen stylisch aus, sind aber nicht jedermanns Sache. Zudem sind sie recht teuer. Der große Vorteil ist, dass sie unglaublich robust sind – sie halten quasi ein Leben lang. Außerdem kann man Edelstahlstrohhalme in der Spülmaschine waschen und somit problemlos wiederverwenden. Ob die Strohhalme beim Spülen auch innen restlos sauber geworden sind, lässt sich aber nur schwer nachprüfen. Alternativ kann man sie zeitaufwändig mit kleinen Bürsten reinigen.

Von allen Varianten ist die aus Edelstahl sicher die langlebigste, aber neben dem Look und dem Preis stören mich persönlich zwei Mankos: Zum einen der Eigengeschmack. Ich will nicht, dass mein Drink schmeckt, als würde ich an einer Gabel lutschen. Zum anderen die Reinigungsprobölematik, weil ich nicht sehe, was im Inneren vor sich geht und ob das Röhrchen wirklich sauber ist. 

Papier

Papier-Strohhalme machen zumindest optisch Laune, denn wie ihre Verwandten aus Plastik kann man sie in allen erdenklichen Farben und Mustern herstellen. Beim Trinken hat der Spaß aber dann ein Ende. Denn Papiertrinkhalme weichen schnell auf. Sie werden lapprig und fangen an, sich im Mund zu zersetzen. Vor allem die Modelle aus recyceltem Papier sind umweltfreundlicher als Plastik, aber nur einmal verwendbar – wenn der Strohhalm überhaupt einen einzigen Drink übersteht.

Bambus

Die etwas ungewöhnliche Lösung aus Bambus sieht schick aus und ist super-umweltfreundlich. Bambus ist eine der am schnellsten nachwachsenden Pflanzen und ist kompostierbar – austrinken und ab damit in den Biomüll. Ein weiteres Plus: Trinkhalme aus Bambus sind von Natur aus antibakteriell. Zudem sind die Bambusröhrchen ziemlich stabil.

Der große Nachteil: Wie auch Holz darf Bambus in der Gastronomie nicht (wieder)verwendet werden. Auch die Reinigung gestaltet sich schwierig, da der Bambus immer einen Teil der Flüssigkeit aufnimmt, wodurch Rückstände im Röhrchen zurückbleiben. Außerdem schmeckt Bambus recht stark nach Bambus eben.

Glas

Die nächste stylische Lösung sind Strohhalme aus Glas. Diese Trinkhalme sind umweltfreundlich, gesundheitlich unbedenklich und äußerst hygienisch, weil Glas eine sehr glatte Oberfläche hat und damit auch in der Spülmaschine sauber wird. Auch kann man einfach sehen, ob der Halm auch an der Innenseite sauber geworden ist. Natürlich sind Glastrinkhalme nicht aus filigranem Glas gefertigt, sondern ca. 1,5 mm dick. Somit sind sie zwar recht stabil, aber immer noch aus Glas – ein Zerbrechen ist nicht ausgeschlossen. In der Anschaffung sind Glastrinkhalme leider die teuerste Variante.

Der wortwörtliche Strohhalm

Ja, Mutter Natur hält ihre ganz eigene Lösung parat: den wortwörtlichen Strohhalm – also einen Halm aus Stroh. Ich kenne eine Hand voll Läden, die ihre Drinks mit Naturstrohhalmen servieren. Der getrocknete Grashalm im Drink hat mich zuerst verwirrt, dann erstaunt – die Lösung kann so einfach sein. Beim Trinken kam dann aber die Ernüchterung. Naturstrohhalme sind weder robust noch geschmacksneutral. Vielmehr hat man einen sich zersetzenden Grashalm im Mund – und das schmeckt man auch. Der Vorteil ist, dass Naturstrohhalme problemlos kompostierbar sind. Außerdem gibt es Stroh wie Heu (haha…). Dennoch keine gute Lösung.

Egal, für welche Lösung die Lieblingskneipe oder man selbst sich entscheidet: Der überzeugte Strohhalmtrinker wird sich umgewöhnen müssen.

Eine kleine Strohhalm-Etikette

Was viele von vorn herein erst lernen müssen, ist der richtige Verwendung eines Strohhalms. In der Tat scheinen viele den doch recht einfachen, benutzerfreundlichen Gebrauch von Trinkhalmen nicht verstanden zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass Strohhalme für alle möglichen Unarten herhalten müssen? Zum Schluss also noch eine kurze Strohhalm-Etikette:

Der Strohhalm ist nur zum Trinken da – und zwar ausschließlich! Man verwendet ihn nicht als Blasrohr, Zigarettenersatz, Zeigestab, Gabel, Zahnstocher, Kratzwerkzeug, Schnurrbartatrappe oder, um sein Getränk zum Sprudeln zu bringen. Nach dem Trinken lässt man den Strohhalm einfach im Glas zurück – und führt nicht noch Fingerakrobatikkunststückchen damit auf oder versucht, ihn so oft wie möglich zusammenzufalten. Man merke also: Man sauge lediglich leicht an einem Ende des Halms, um das Getränk zum Munde zu befördern.

Es liegt natürlich in jedermanns Eigenermessen, aber Strohhalme gehören nicht automatisch in jeden Drink. Cocktails, die man aus einem Tumbler, einem Martiniglas oder einer Cocktailschale zu sich nimmt, kommen meist ohne Strohhalm aus. Niemand serviert einen Old-Fashioned oder einen Sour mit Trinkhalm. Ein Strohhalm im Martini ist ein riesiges No-Go – zumindest daran sollte man sich halten. Drinks, die man in einem Longdrink-, Tiki- oder Cocktailglas oder aus einem Becher serviert, vertragen einen Strohhalm.

Übrigens reicht ein Halm vollkommen aus – zwei, drei oder mehr sehen nicht nur lächerlich aus, sondern sind auch äußerst unpraktisch. Nein ehrlich, was soll das? Will man mir damit sagen, dass ich meinen Drink turboschnell in einem Zug reinsaugen soll? Außerdem produziert ein einziger Strohhalm schon genug Müll. Und darum geht es doch eigentlich: Weniger Plastik und Abfall in unserer Natur.

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