Jessica Jones und ihr Whisky – Saufen wie ein Superheld

Jessica Jones ist eine Superheldin mit Alkoholproblem
Jessica Jones – Superheldin mit Alkoholproblem (DVD-Screenshot; Bildrechte Walt Disney/Netflix)

Vor Kurzem habe ich mir die zweite Staffel Jessica Jones angesehen. Schön, aber was hat das mit Whisky zu tun? Abgesehen davon, dass ich mir gerne ein Dram gönne, wenn ich mir einen guten Film oder eine gute Serie ansehe – eine Menge! Denn Whisky bzw. Spirituosen per se spielen eine wichtige Nebenrolle in Jessica Jones.

Jessica Jones ist eine tolle Netflix-Serie über eine Superheldin, die eigentlich keine sein will und sich auch nicht gerade heldenhaft verhält. Antiheldin trifft es wohl besser. Wie auch immer: Die Serie ist super! Das sage ich nicht nur als Marvel-Fanboy. Nein, Jessica Jones ist auch rein objektiv betrachtet eine intelligente und spannende Serie, die Genregrenzen sprengt und irgendwo zwischen Detektivgeschichte, Thriller, Familiendrama und Superheldencomic verortet ist. Sie ist voll von starken Frauen, die den Männern gehörig die Show stehlen und ihnen zeigen, wo der Hammer hängt. Staffel 2 wurde veröffentlicht, als die #metoo-Debatte ihren Höhepunkt erreicht hatte und die Diskussion über das Frauenbild in Hollywood die Branche aufwühlte. Damit ist Jessica Jones die richtige Serie zur richtigen Zeit.

Worauf ich eigentlich hinaus will: Whisky (was sonst?). Ist Dir schon mal aufgefallen, wie viel Schnaps Jessica in ihren Superheldinnenkörper schüttet? Spoiler-Alarm! Eine Menge – sehr, sehr viel davon! CaptainKorn hat mal genauer hingeschaut und gecheckt, womit Jessica Jones ihren Kummer ertränkt:

Jim Beam Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Ein Klassiker, der gleich in mehreren Folgen verköstigt – oder vielmehr vernichtet – wird. Jim Beam ist der meistverkaufte Bourbon der Welt und eine der bekanntesten Whiskymarken überhaupt. Kein Wunder also, dass auch Jessica Jones gerne auf diesen populären aber geschmacklich etwas beliebigen Bourbon zurückgreift. Versteht mich nicht falsch: Jim Beam ist okay, ich mag den Stoff – aber er hat eben nichts Besonderes an sich. Für rund 15 Euro bekommt man mit Jim Beam einen durchschnittlichen, mixbaren Bourbon. Wer, wie Jessica, wenig Wert auf Geschmack legt, kann mit Beam zumindest noch etwas Stil und Selbstachtung behalten.

Heaven Hill Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Wer einfach nur Schütten und dabei die Selbstachtung ganz ausblenden will, greift wie Jessica zum Heaven Hill Bourbon, dem namensgebenden Whiskey der legendären Heaven Hill Distillery. Diese Destillerie, die dutzende verschiedene Spirituosen herstellt, hat einige spektakuläre Tropfen im Programm. Der Heaven Hill Bourbon ist allerdings keiner davon – er rangiert irgendwo zwischen Evan Williams und Pennerglück. Praktisch: Das Zeug wird meist in Literflaschen verkauft.

Maker’s Mark Kentucky Straight Bourbon Whisky

Maker's Mark Bourbon Whisky
Maker’s Mark Bourbon Whisky

Die Geschmackspräferenzen unserer Lieblingsheldin kristallisieren sich bereits heraus: Kentucky Straight Bourbon muss es sein. Der Maker’s Mark sticht aber aus der bisherigen Auswahl heraus, denn hierbei handelt es sich um einen echt feinen Tropfen. Eine gute Portion Weizen macht diesen Bourbon besonders mild und bekömmlich. Mit exotischen Fruchtaromen, Honigsüße und etwas Würze ist er fast zu schade, um sich damit zu betrinken – besser genießen! Man sieht: Jessica hat durchaus Geschmack.

Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Und der nächste Bourbon aus „Good Old Kentucky“: Der etwas piefige aber überraschend leckere Old Grand-Dad. Für einen Bourbon der unteren Preisklasse ist er herrlich würzig, harmonisch und süffig. Der „Alte Großvater“ ist ein solider Standard-Bourbon, der sich auch hervorragend zum Mixen eignet – als wenn das bei Jessica Jones in Frage käme.

Cutty Sark Blended Scotch Whisky

Überraschung! Wir springen einmal über den großen Teich und stellen fest: Jessica kann auch Scotch. Man kann ja schließlich nicht nur von Bourbon leben. Der erste Nicht-Bourbon auf der Liste ist Cutty Sark, ein leichter schottischer Blended Whisky, der ein paar maritime Noten auffährt, ansonsten aber recht flach bleibt. Nichts Besonderes, aber es reicht, um ein wenig Abwechslung in Jessicas Speiseplan zu bringen.

Teacher’s Blended Scotch Whisky

Nochmal ein Schotte. Teacher’s ist einer der weltweit bekanntesten und meistverkauften Blended Scotch Whiskys. Den Hauptbestandteil dieses Blends bildet der getorfte Single Malt der Ardmore Distillery. Deshalb schmeckt der Teacher’s leicht rauchig, weist aber auch einige fruchtige Noten auf. Ein handfester Drink für eine taffe Frau. Empfiehlt sich zum Nebenbeitrinken oder als Begleiter zum Bier.

Wild Turkey 101 Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Zu viel Abwechslung verwirrt den Geist. Deshalb: Schuster bleib bei denen Leisten. Wir widmen uns also wieder dem Bourbon. Den Anfang macht der Wild Turkey 101, ein würziger Bourbon, der mit ehrlichen 50,5 Vol.-% abgefüllt wird. Stark wie die Faust von Jessica Jones im Unterleib ihrer Feinde. Tatsächlich knallt der Wild Turkey mit einer kleinen Pfefferexplosion im Antritt geschmacklich ziemlich rein.

Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Der nächste Bourbon im Programm. Die Standardabfüllung der Marke Four Roses glänzt nicht durch geschmackliche Individualität, erzählt aber eine nette Geschichte. Der Name Four Roses geht auf die Liebesgeschichte zwischen dem Brennereigründer Paul Jones und einer Südstaatenschönheit zurück. Diese nahm seinen Heiratsantrag an, indem sie auf einem Ball vier Rosen an ihrem Abendkleid trug. Wie romantisch! Oder wie Jessica sagen würde: „Zum Kotzen“ – genau wie zu viel von diesem Bourbon. Empfehlenswerter als die Standardversion ist die tolle Single-Barrel-Abfüllung der Destillerie.

Windsor Blended Canadian Whisky

Ein Ausflug in den hohen Norden: Windsor ist einer der meistverkaufen kanadischen Whiskys. Interessant ist hier aber nicht der eher unspektakuläre Spirit, sondern vielmehr, wie er in der Serie inszeniert wird. In einigen Einstellungen ist die Flasche gut zu erkennen. In einer ganz bestimmten Einstellung aber ist etwas anders. Statt Windsor steht nun plötzlich „Winston“ auf dem Etikett. Während der Ottonormal-Zuschauer sich den Kopf kratzt, dürften Marvel-Fans aufhorchen. Jetzt wird’s nerdig: Das Fake-Etikett ist eine Anspielung an das legendäre Heftcover von Iron Man #128. In diesem Comic kämpft Tony Stark alias Iron Man mit seiner Alkoholsucht. Auf dem Cover gut sichtbar platziert ist eine Whiskyflasche im Windsor-Design – nur eben mit „Winston“-Schriftzug. Ach Marvel, ich mag dich!

Tincup American Whiskey

Gänzlich unbekannt hierzulande ist diese Flasche, die auch ich nicht erkannte, als Jessica sie in der Serie aus dem Regal holte. Dabei handelt es sich um einen erlesenen Tropfen. Der Tincup wurde zu Ehren von Colorados ersten Whiskytrinkern, den Goldgräbern, die in den Rocky Mountains ihr Glück suchten, ins Leben gerufen. Er ist ein Blend aus zwei verschiedenen amerikanischen Whiskysorten: Ein sogenannter High-Rye-Bourbon, also Bourbon mit hohem Roggenanteil, wird mit einem Colorado Single Malt verschnitten und mit frischem Quellwasser aus den Rocky Mountains verdünnt.

Tullamore D.E.W. Irish Whiskey

Der erste und einzige Ire im Programm. Tullamore D.E.W. ist ein solider, honig-lastiger Irish Whiskey, der hervorragend als Begleiter zu einem guten Bier taugt. Die drei Buchstaben D.E.W. stehen übrigens nicht für das englische Wort „dew“ (=Morgentau) – auch wenn man das aufgrund der Honigsüße und Leichtigkeit dieses Spirits vermuten könnten. D.E.W. sind die Initialen von Daniel Edmond Williams, einst Hauptgeschäftsführer der Destillerie, der schon im zarten Alter von 14 Jahren seine Ausbildung zum Brennmeister begann.

Bulleit Bourbon – Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Zurück zum amerikanischen Klassiker – Bourbon it is! Der Bulleit ist ein eher würziger Vertreter seiner Art, denn der hohe Roggenanteil von fast 30 Prozent sorgt für kräftige, pfeffrige Geschmacksmomente. Angeblich ist das Rezept für den Bulleit Bourbon über 150 Jahre alt. Ganz egal, ob das wahr ist oder Marketing: Jessica schmeckts und mir auch.

Rebel Yell Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Rebel Yell in der markanten Flasche ist hierzulande ein eher unbekannter Bourbon. Aber einer, der sich lohnt! Der Bourbon wurde ursprünglich von der Brennerei Stitzel-Weller produziert, mittlerweile kommt er aber aus dem Hause Heaven Hill. „Ein ehrlicher Whiskey zu einem ehrlichen Preis“, lautete die Marketingbotschaft schon in den 1850ern. Das ist er noch heute: Für rund 30 Euro bekommt man einen gutgemachten, süßen High-Corn-Bourbon mit 75 Prozent Maisanteil.

Jim Beam Rye – Kentucky Straight Rye Whiskey

Um mit der Mode zu gehen, haben die Produzenten vermutlich noch diesen Roggen-Whisky in die Serie geschmuggelt (naja, vermutlich hat eine gewisse Destillerie dem Produzenten dafür ein paar Scheinchen zugesteckt). Denn Whisky aus Roggen erlebt derzeit einen überraschenden Popularitätsschub, nachdem er schon lange totgeglaubt war. Im Gegensatz zur Standardabfüllung von Jim Beam sticht der Rye des Hauses aus der Masse heraus. Ein intensiver, würziger und ziemlich starker Tropfen mit deutlichen Rye-Charakter.

Wein auf Bier, das Rat ich dir

Eine Bar mit vielen Flaschen
Whisky, Wodka, Wein – Jessica Jones trinkt alles

Jessica Jones hat zwar eine Vorliebe für Whisky und insbesondere Bourbon. Aber sie ist nicht ausschließlich auf diese eine Spirituose fixiert. Manchmal weicht sie in der Serie auch auf Wodka oder sogar Bier und Wein aus – Hauptsache es knallt, lautet die Devise. Allerdings schüttet unsere liebste Antiheldin nicht nur billigen Fusel in sich hinein. In ihrer Auswahl sind ein paar durchaus feine Tropfen.

Zum Vorbild nehmen sollte man sich den Alkoholkonsum von Jessica Jones allerdings nicht. Denn Kummer und Schmerz sollte man nicht in Alkohol ertränken – auch wenn es manchmal als einfache Lösung erscheint.

Aber das haben wir alle mit Jessica Jones gemeinsam: Wir sind eben alle nur Menschen.

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