Gin – Die wichtigsten Sorten im Überblick

London Dry Gin ist nur eine von vielen Gin-Sorten
London Dry Gin ist nur eine von vielen Gin-Sorten.

Gin, Gin, Gin ist alles was ich trinke… Viele Spirituosenfreunde leben tatsächlich nach dieser Devise. Der Wacholderschnaps ist die Trendspirituose der vergangenen Jahre – und der Boom hält an. Nicht so fordernd wie gereifte Spirituosen, spannender als geschmacksneutraler Wodka und definitiv hipper als Obstler. Außerdem lässt sich Gin hervorragend mixen (man munkelt sogar, mancher „Fan“ habe Gin noch nie pur probiert). Gin ist beliebt in den Clubs, Bars und Wohnzimmern dieser Welt – und der Hype dauert weiter an. Bei den unzähligen neuen Abfüllungen und Marken, die Monat für Monat auf den Markt geschmissen werden, verliert man jedoch leicht den Überblick.

Damit Du weißt, was Du Dir in die Rüstung kippst, wenn Du Dir das nächste Mal einen Gin Tonic mixt, gibt Dir Captain Korn den Überblick über die wichtigsten Gin-Sorten.

Die Basics – Was ist eigentlich Gin?

Zuerst aber die Basics: Gin ist eine mit Wacholder aromatisierte Spirituose. Der Ausgangsstoff ist Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, sogenannter Agraralkohol. Dieser wird meist aus stärkehaltigen Feldfrüchten – Getreide oder Kartoffeln – destilliert, kann aber auch aus Zuckerrohr bzw. Melasse (wie beim Monkey 47*) oder aus Weintrauben (wie beim G’Vine*) hergestellt werden.

Das typische Merkmal, das Gin ausmacht, ist sein charakteristischer Geschmack. Der entsteht durch die Aromatisierung mit Wacholder. Neben Wacholder kommen noch weitere Gewürze, Kräuter, Hölzer und Früchte, die sogenannten Botanicals, zum Einsatz. Typisch sind Koriander, Zitrusfrüchte, Angelikawurz und vieles mehr – die Möglichkeiten sind schier unendlich. Vielleicht ist dieser Spirit gerade deswegen so erfolgreich. Hersteller können mit verschiedenen Botanicals experimentieren und so immer neue Geschmacksprofile und Marken erschaffen, die den Genießer stets von neuem überraschen. Mittlerweile stehen dem Liebhaber hunderte Marken und Sorten zur Auswahl. Zu den wichtigsten und populärsten Sorten zählen:

London (Dry) Gin

Der London Gin – auch London Dry Gin – ist gewissermaßen die Königsdisziplin des Gins. Er wird aus Agraralkohol gewonnen, der mitsamt aller Botanicals erneut destilliert wird. Die Aromen gelangen auf eine von zwei Arten in den Brand: Entweder durch Mazeration, also durch das Einlegen der Botanicals in Alkohol, der ihnen Aromen und Geschmack entzieht, und anschließende Destillation. Oder durch Dampfinfusion, wobei der verdampfende Alkohol über die Botanicals, die sich in einem Korb in der Brennblase befinden, zieht. Dabei nimmt der Dampf die Aromen und Geschmacksstoffe auf. Egal, ob Mazeration oder Infusion: Es ist nur ein einziger Destilliervorgang erlaubt, um die Aromen hinzuzufügen. (Danach dach aber noch weitere Male destilliert werden – allerdings nur ohne Botanicals!)

Streng reguliert sind auch die Zusatzstoffe: London Gin darf weder künstliche Aromen noch Farbstoffe und nicht mehr als 0,1 g Zucker pro Liter enthalten. Geschmacklich muss der Wacholder die dominante Geschmacksnote sein. Insgesamt ergibt sich so ein trockenes Geschmacksprofil. Zuletzt muss der London Gin – wie jeder Gin – mit einem Alkoholgehalt von mindestens 37,5 Vol.-% abgefüllt werden.

Übrigens: London Gin ist keine geschützte Herkunftsbezeichnung. Er muss also nicht aus London kommen, sondern darf weltweit hergestellt werden.

Dry Gin

Dry Gin ist quasi der kleine Bruder des London Gin. Auch Dry Gin wird aus Agraralkohol gewonnen. Anders als beim London Gin müssen aber nicht alle Botanicals gleichzeitig eingesetzt werden. Eine stufenweise Aromatisierung in zwei oder mehr Brennvorgängen ist möglich.

Auch bei den Zusatzstoffen geht es beim Dry Gin nicht ganz so streng zu: Die Zugabe von „naturidentischen“ Aromastoffen sowie Farbstoffen ist erlaubt. Zucker darf aber trotzdem nicht mehr als 0,1 g pro Liter enthalten sein, damit sich der Brand „dry“ nennen darf. Auch hier muss Wacholder wieder den Geschmack angeben.

New Western Dry Gin

New Western Dry Gin ist im Gegensatz zu London und Dry Gin keine offizielle Kategorie. Es handelt sich bei dieser Bezeichnung eher um eine Notlösung, um die verschiedenen neuen Gin-Stile unter eine Haube zu bekommen.

Erlaubt ist beim New Western Dry Gin fast alles, was gefällt. Viele – wenn nicht sogar die meisten – neuen Gins fallen in diese Kategorie, die den Produzenten viel Raum für Experimente lässt. Wenn Du also das nächste Mal „Munich Dry Gin“, „Schwarzwald Dry Gin“ oder eine andere Namenskreation in Händen hältst, handelt es sich um einen New Western. Herausstechendes Merkmal ist, dass Wacholder nicht länger den Geschmack beherrschen muss. Andere Botanicals dürfen dem Wacholder geschmacklich ebenbürtig sein. Manchmal tritt der sogar fast in den Hintergrund. Zudem gibt es bei New Western Dry Gin keine festen Vorschriften, wann und wie die Botanicals beigefügt werden und wie oft destilliert werden muss. Auch Zusatzstoffe und Zuckergehalt sind nicht weiter reguliert.

Old Tom Gin

Old Tom Gin ist eine traditionelle Sorte, über die man heutzutage eher selten stolpert. Aber hin und wieder findet ein neuer Vertreter dieser Kategorie seinen Weg in die Regale. Old Tom wird meist destilliert, kann aber auch sogenannter Bathtub Gin sein. Das heißt, es ist erlaubt, die Botanicals im Alkohol zu mazerieren ohne danach erneut zu destillieren. (Zu Zeiten der Prohibition nutzten Schwarzbrenner Badewannen für die Herstellung, deshalb die Bezeichnung „Bathtub Gin“).

Die Herstellung von Old Tom ist auch sonst nicht weiter reguliert, außer dass Wacholder den Geschmack dominieren muss. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zu den Dry Gins: Old Tom wird nachträglich leicht gesüßt – es sind also mehr als 0,1 g Zucker pro Liter erlaubt. Damit ist Old Tom süßer als alle übrigen Gin-Sorten.

Plymouth Gin

Zuletzt eine Sorte, deren große Tage vorbei sind. Einst war Plymouth Gin die beliebteste Gin-Sorte der Welt, heute gibt es nur noch einen Hersteller: die Blackfriars Distillery*. Plymouth Gin ist, im Gegensatz zu London Gin, eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Plymouth Gin darf also nur in der britischen Hafenstadt Plymouth hergestellt werden.

Die Sorte ist nicht ganz so trocken wie London und Dry Gin, wird aber nicht ganz so stark gesüßt wie der lieblichere Old Tom. Geschmacklich gibt auch hier Wacholder den Ton an, zudem sind erdige Noten ein typisches Merkmal von Plymouth Gin. 

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