Evan Williams Bourbon und die Heaven Hill Distillery

Bourbon-Himmel auf Erden?

Fässer in der Heaven Hill Distillery
Ein Arbeiter stapelt Bourbonfässer in der Heaven Hill Distillery

Kentucky ist das Zentrum der amerikanischen Bourbon-Produktion. Jim Beam, Maker’s Mark und Buffalo Trace heißen einige der bekannten Destillerien. Eine weniger bekannte aber nicht weniger profilierte Brennerei ist die Heaven Hill Distillery. Dass man die Brennerei hierzulande kaum kennt, liegt vermutlich daran, dass der namensgleiche Heaven Hill Bourbon auf dem hiesigen Markt keine große Rolle spielt. Aber die Destillerie hat viel mehr zu bieten, als nur diese eigene Marke: Heaven Hill produziert und vermarktet dutzende amerikanische Whiskeys sowie viele andere Spirituosen – darunter ein paar alte Bekannte wie der Evan Williams Bourbon*.

Die Beams und die Shapiras

Beleuchten wir zunächst einmal die bewegte Geschichte der Brennerei. Die Heaven Hill Distillery ist eng verbunden mit zwei Namen: Shapira und Beam. Es waren die Shapira-Brüder und der Brennmeister Joe Beam, die gemeinsam mit einigen Investoren kurz nach dem Ende der Prohibition 1935 die Brennerei in Bardstown, Kentucky gründeten. Nach und nach kauften die Shapira-Brüder die Firmenanteile der anderen Investoren auf, bis sich die gesamte Destillerie schließlich in Familienbesitz befand – und das ist sie bis heute. Heaven Hill ist die größte, unabhängige, familiengeführte Destillerie im ganzen Land und bekannt für ihre Bourbons.

Zum Erfolg der Brennerei trug aber auch die berühmte Familie Beam bei. Seit je her ist ein Mitglied der Beam-Familie als Master Distiller bei Heaven Hill tätig. Mitgründer Joe Beam, ein Cousin der Bourbon-Legende Jim Beam, war nach der Firmengründung der erste Brennmeister. Ihm folgte sein Sohn Harry Beam, danach kam Earl Beam, der Sohn von Jim Beams Bruder. Earl wurde abgelöst vom erst im Januar 2018 verstorbenen Parker Beam. Seit dem Tod seines Vaters ist dessen Sohn Craig Beam Brennmeister in der Traditionsdestillerie.

Flüsse aus Feuerwasser

Eine weitere Besonderheit von Heaven Hill: Die Destillerie produziert an zwei Standorten. Das Mahlen, das Maischen, die Gärung und die Destillation finden in Louisville statt. Die Fassbefüllung, die Reifung, die Abfüllung und der Versand werden in Bardstown durchgeführt. Das hat einen einfachen aber tragischen Grund: 1996 brannte ein Großteil der ursprünglichen Brennerei in Bardstown nieder. Augenzeugen berichteten von einem verheerenden Brand und von „Feuerflüssen“ die aus den Lagerhallen strömten. Tatsächlich verbrannten damals 90.000 (!) Fässer Whiskey – ein Riesenverlust für Heaven Hill und Bourbon-Liebhaber auf dem ganzen Globus. (Wer bei der Vorstellung von 90.000 zerstörten Whiskeyfässern kein Stechen in seinem tiefsten Inneren verspürt, ist ein gefühlsloses Monster – außer es handelt sich um Penny Packer, dann ist ein „Hurra, holt die Würstchen raus“ angebracht.) 1999 schließlich kaufte die Shapira-Familie die alte Bernheim Distillery im benachbarten Louisville und baute sie zum neuen Produktionsstandort aus.

Trotz der spannenden Geschichte, der schieren Größe der Brennerei und der Verbindung zur bekannten Beam-Familie ist Heaven Hill hierzulande ein eher unbekannter Name. Der Haus-Bourbon der Brennerei, der Heaven Hill Old Style Bourbon, spielt auf dem deutschen Markt keine Rolle.

Mehr als nur Bourbon

Aber der Heaven Hill Bourbon ist nicht der einzige Whiskey, den die gleichnamige Destillerie herstellt. Die Brennerei produziert dutzende Whiskeys sowie andere Spirituosen wie Wodka und Gin. Zudem importiert und vertreibt Heaven Hill einige internationale Cognac-, Rum- und Likörmarken. In Punkto Whiskey ist die Expertise von Heaven Hill nicht nur auf Bourbon beschränkt. Die Brennerei stellt mit Rye, Wheat und Corn die gesamte Bandbreite an US-Whiskeysorten her. Denn im Laufe der Zeit kaufte Heaven Hill verschiedne Lizenzen und Markenrechte zusammen, sodass bis heute eine unerreichte Vielfalt produziert wird – den Liebhaber freut’s. Einen individuellen Hausstil von Heaven Hill kann man aufgrund dieser Produktvielfalt aber nicht erkennen.

Das Produktsortiment von Heaven Hill

  • Evan Williams, das Aushängeschild der Brennerei und einer der meistverkaufen Bourbons der USA. Wie der Evan Williams schmeckt, erfährst Du weiter unten im Text. Neben den bekannten Black-Label- und White-Label-Abfüllungen ist mittlerweile auch eine Single-Barrel-Version von Evan Williams erhältlich.
  • Elijah Craig heißt das zweite Bourbon-Flaggschiff aus dem Hause Heaven Hill. Am bekanntesten ist der 12-jährige Elijah Craig Kentucky Straight Bourbon, ein nicht unumstrittener Tropfen. Außer dem 12-jährigen sind auch eine Single-Barrel- und eine 18-jährige Abfüllung des Elijah Craig erhältlich.
  • Weitere Bourbons von Heaven Hill sind unter anderem Cabin Still, Fighting Cock, Henry McKenna, J.T.S. Brown, Old Fitzgerald, T.W. Samuels sowie die unter Lizenz für Luxco hergestellten Ezra Brooks und Old Ezra Bourbons.
  • Rye Whiskeys von Heaven Hill sind der Larceny Rye, der Pikesville Rye und natürlich der bekannte Rittenhouse Straight Rye Whiskey.
  • Die Herstellung von Wheat Whiskey ist eine anspruchsvolle Disziplin, die Heaven Hill gekonnt meistert. Mit dem Bernheim Original Straight Wheat Whiskey produziert die Brennerei einen der weltweit beliebtesten und besten Weizen-Whiskeys.
  • Zuletzt zählen auch Corn Whiskeys wie der Georgia Moon und der Mellow Corn Straight Corn Whiskey zum Heaven-Hill-Portfolio.

Man sieht: Heaven Hill hat einiges zu bieten. Zu den dort produzierten Whiskeys zählen einige der besten und bekanntesten Bourbon, Rye, Corn und Wheat Whiskeys, die derzeit erhältlich sind. Grund genug, um sich den Namen hinter diesen feinen Destillaten einzuprägen. Das Aushängeschild von Heaven Hill heißt aber immer noch Evan Williams.

Wie schmeckt der Evan Williams Straight Bourbon?

Evan Williams Straight Bourbon
Evan Williams

Der Evan Williams Kentucky Straight Bourbon Whiskey ist ein Klassiker, der zu den meistverkauften Bourbons der USA zählt – auf Platz zwei hinter Jim Beam. Benannt ist das Aushängeschild der Brennerei nach dem Brenn-Pionier Evan Williams, der 1783 in Louisville als erster Brenner eine Destillerie in Kentucky gründete.

Evan Williams ist ein Bourbon, wie er klassischer kaum sein könnte. Die Mash Bill, also die dem Whiskey zugrunde liegende Getreidemaische, besteht aus 75 % Mais, 13 % Roggen und 12 % Gerste. Dieser hohe Maisanteil ist für den extrem süßen Geschmack der Marke verantwortlich. Über das genaue Alter des Bourbons kann man allerdings nur spekulieren, denn weder auf dem Etikett noch auf der Brennerei-Website kann man aussagekräftige Informationen dazu finden. Einige Quellen sprechen von einer Reifezeit zwischen 5 und 7 Jahren – für eine Standardabfüllung in dieser Preisklasse (ca. 20 €) ein stolzes Alter.

Aussehen

Die Farbe deutet darauf hin, dass der Evan Williams tatsächlich ein paar Jahre auf dem Buckel hat, denn er leuchtet im Glas in einem vollen, dunklen Bernsteinton.

Geruch

Das Bouquet bestätigt den sehr hohen Maisanteil des Bourbons: Man riecht reichlich süße Vanille. Der Eindruck ist fast schon sirupartig. Auf Überraschungsmomente wartet man aber vergebens. Außer der Vanillesüße ist in der Nase nicht viel los.

Geschmack

Nehmen wir also einen Schluck, um auch den Geschmack zu testen: Der Evan Williams ist mild und süß. Der Alkoholgehalt liegt bei 43 Vol.-%. Meiner Meinung nach könnte der Bourbon noch das eine oder andere Prozentchen mehr vertragen, denn es fehlt das gewisse Etwas. Man schmeckt vor allem Karamell und mit etwas Fantasie auch einen Hauch Schärfe und ein paar dezente Eichennoten.

Abgang

Der süße Geschmack geht in einen ebenso süßen Abgang über, der von Karamell und süßem Malz dominiert ist. Und ein paar Augenblicke später ist er schon wieder verflogen.

Wer sollte den Evan Williams kaufen?

Der Evan Williams ist ein klassischer, netter Standard-Bourbon – nicht mehr und nicht weniger. Überraschungen oder echte Genussmomente bietet er nicht, denn außer der typischen Karamell- und Vanillesüße ist in Nase und Mund nicht viel los. Allerdings eignet sich der Evan Williams gerade wegen dieser Süße gut zum Mixen klassischer Bourbon-Drinks. Wer also einen gut mischbaren Standard-Bourbon sucht, darf guten Gewissens zugreifen. In einem Whiskey Sour kommt die Karamell- und Vanillesüße des Evan Williams gut rüber.

Hier kannst Du den Evan Williams Straight Bourbon kaufen*.

Die harten Fakten

Spirituose Evan Williams Straight Bourbon
Herkunft Heaven Hill Distillery, Kentucky, USA
Sorte Straight Bourbon Whiskey
Alkoholgehalt 43 Vol.-%
Alter Keine Angabe
Reifung Neue, getoastete Fässer aus amerikanischer Weißeiche
Fazit Netter Standard-Bourbon mit typischen Vanille- und Karamellnoten. Gut zum Mixen.

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