Eiskugeln – der Schrecken aus dem Eisfach

Warum so viel Aufhebens um Eis gemacht wird

Eiskugeln sind furchteinflößend
Die Eiskugel – ruhig lauert das furchteinflößende Ungetüm unter der Wasseroberfläche.

Trink mal drüber nach… Spirituosen und Eis gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Denn manche Drinks entfalten ihr Potenzial erst gut gekühlt. Um gefrorenes Wasser wird heute allerdings ein solcher Wirbel gemacht, dass man meinen könnte, die Hölle friere zu. Anscheinend hängt das Seelenheil von manchen Barkeepern vom Eis ab, denn laut ihnen braucht es die perfekte Temperatur, die richtige Dichte, die geeignete Form…. Selbst um das Wasser wird ein enormer Aufwand betrieben: Soll es besser kalkarm sein, aus dem Hahn, aus der Flasche oder vielleicht sogar demineralisiert? Eiswürfel sind in der Szene mittlerweile zum Politikum geworden.

Zeit also, dass auch Captain Korn seinen Senf dazugibt. Klar, ein guter Cocktail braucht ordentliche Eiswürfel. Denn sie kühlen den Drink und verdünnen ihn. Wie, Eiswürfel sollen schmelzen? Ja, das sollen sie tatsächlich, auch wenn mancher das Gegenteil behauptet.

Probiere mal folgendes Experiment: Mix Dir einen Martini-Cocktail aus Gin und Vermouth aber rühre ihn nicht auf Eis, sondern stelle ihn für eine Stunde ins Gefrierfach. Der Martini ist danach zwar auch kalt, schmeckt aber beschissen. Warum? Weil das Wasser fehlt, das der Martini beim Rühren durch die schmelzenden Eiswürfel abbekommt.

Was wirklich zählt

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Du warmes Eis verwenden sollst. Denn nichts ist ärgerlicher als Würfel, die innerhalb von fünf Minuten geschmolzen sind und den Drink bis zur Unkenntlichkeit verwässern.

Wenn Du mich fragst, kommt es bei Eiswürfeln für den täglichen Gebrauch vor allem auf zwei Dinge an:

  1. Eis muss kalt sein – richtig kalt. Quasi eiskalt (haha…). Bewahre es deshalb nur im Tiefkühlfach auf und schütte es nicht in einen Kübel, aus dem Du Dich dann beim Cocktail-Mixen bedienst. Sonst schmilzt es viel zu schnell und verwässert den Drink.
  2. Du brauchst viel Eis – verdammt viel! Und egal wie viel Du für Deine nächste Cocktailparty vorbereitest – es wird nie genug sein.

Vergiss also all die Insider-Tipps und vermeintlichen Geheimkniffe, die Du gehört hast. Kauf Dir stattdessen ein paar ordentliche Eiswürfelformen, befülle sie mit normalem Leitungswasser und lass sie mindestens einen Tag im Gefrierfach. Mehr brauchst Du nicht – wirklich!

Captain Korn und die Eiskugel des Todes

Vollkommen unverständlich ist mir deshalb der Trend hin zu immer größeren, massiveren Eiswürfeln. Der absurde Höhepunkt dieses von unzähligen Lifestyle-Magazin-Artikeln heraufbeschworenen Trends ist die Eiskugel. Die Indiana-Jones-Todeskugel der Cocktailkultur. Ich persönlich habe mehrere Probleme mit diesem gefrorenen Ungetüm:

  • Eisberg voraus! Eiskugeln sehen einfach lächerlich aus, v.a. wenn man sie in Martinigläsern serviert. Dann überragt der Ball sogar den Rand des Glases und mit jedem Anheben des Drinks droht dieser überzuschwappen.
  • Da sind wir schon beim nächsten Punkt: Die Handhabung von Eiskugeln ist nicht nur schwierig, sondern macht mir ehrlich gesagt auch Angst. Jedes Mal, wenn ich einen Schluck von meinem Drink nehme, habe ich Panik, dass der Eiskoloss mir die Zähne einschlägt.
  • Eiskugeln sind besonders Dicht und haben eine enorm große Oberfläche, weshalb sie extrem langsam schmelzen. Das wird von ihren Fans als größter Vorteil ins Feld geführt. Aber wer zum Teufel sitzt denn zwei Stunden lang an ein und demselben Drink? Meine Eiswürfel haben sich – wenn ich meinen Drink nicht ausgerechnet bei 30 Grad Außentemperatur trinke – selbst nach 30 Minuten noch nicht aufgelöst. Das sollte reichen.
  • Die Herstellung eines Eisballs ist aufwendig und braucht viel Platz. Denn wenige Kugeln nehmen viel Raum im Tiefkühlfach ein. Diesen Platz könnte ich auch mit der vielfachen Menge Eiswürfel auffüllen. Zudem sind viele der Eiskugelformen etwas kompliziert in der Handhabung.

Überdimensionale Eiskugeln erfahren zwar momentan einen gewissen Hype, werden aber eines schönen Tages wieder von der Bildfläche verschwinden und ihren Platz im Kuriositätenkabinett der Cocktailkultur einnehmen – irgendwo neben Papierschirmchen, Spiraltrinkhalmen und penisförmigen Eiswürfeln.

Wer es jetzt trotzdem ausprobieren möchte, kann hier eine Eiskugelform bestellen*.

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