Die Laddies von Bruichladdich – Gute Whiskys oder nur Show?

Die Bruichladdich-Destillerie auf Islay
Die Bruichladdich-Destillerie auf Islay (Foto: Gerry Denham/Flickr)

Was macht einen erfolgreichen Whisky aus? Klar, schmecken muss er. Ob sich ein Whisky verkauft oder nicht, hängt zu allererst von seiner Qualität und dem (subjektiven) Geschmack ab. Niemand wird auch nur einen müden Cent für eine Spirituose ausgeben, die nicht schmeckt. Nicht weniger erfolgskritisch sind jedoch die Aufmachung und v.a. die Geschichte, die ein Whisky erzählt. Geschichten wecken Assoziationen und Erinnerung – sie bestimmen, wie wir einen Drink wahrnehmen und genießen. Einer der begnadetsten Geschichtenerzähler der Branche ist die Destillerie Bruichladdich auf der schottischen Whisky-Insel Islay. Die 2001 wiedereröffnete Kult-Brennerei erzählt eine Geschichte von Tradition an der Schnittstelle zur Moderne. Alles nur leere Marketing-Versprechen?

Vielleicht. Doch Bruichladdich legt laut eigener Aussage großen Wert auf eine möglichst authentische Herstellung seines Whiskys in Handarbeit. Dafür verwendet die Destillerie regionale oder wenn möglich sogar lokale Zutaten. Nicht umsonst beschwört die Destillerie wie keine zweite die Bedeutung des Terroirs, also der naturgegebenen Standortfaktoren und deren Einfluss auf den Whisky. Gemäß diesem Anspruch sind alle Bruichladdich-Whiskys ungefärbt und nicht kühlfiltriert.

Bruichladdich Whisky – Regional und handgemacht

Obwohl sich Bruichladdich selbst den Slogan „Progressive Hebridean Distillers“ auf die Fahnen geschrieben hat, setzt die Destillerie auf Methoden und Equipment aus der guten alten Zeit. Ein Großteil der Ausrüstung stammt noch aus viktorianischen Zeiten und ist seit Jahrzehnten im Einsatz. Mit diesen antiken Werkzeugen werden jedoch moderne Whiskys und experimentelle Abfüllungen kreiert, wie die Bio-Reihe Organic oder der bis auf 309 ppm getorfte Octomore.

Gerade diese Diskrepanz macht den Reiz von Bruichladdich aus: Einerseits setzt die Destillerie auf Tradition und Regionalität, andererseits zeichnet sie sich durch ihren unermüdlichen Innovationsgeist aus. Das mag mitunter eine ausgeklügelte Marketingstrategie sein. Und die wirkt, zumindest wenn man so anfällig für schöne Stories ist wie ich – und ich arbeite in der Marketing-Branche…

Doch meiner Meinung nach steckt mehr dahinter. Das Storytelling von Bruichladdich ist nicht ausschließlich Show, sondern zumindest im Kern authentisch. Viele Hersteller drucken sich Schlagworte wie „traditional“ oder „handcrafted“ aufs Etikett, setzen hinter den Kulissen aber auf vollautomatisierte Produktionslinien im industriellen Ausmaß – da ist das „small batch“ schnell mal 20.000 Flaschen groß. Inmitten dieser Whisky-Industrie wirkt Bruichladdich fast wie eine Insel der Authentizität – und das selbst noch nach dem Aufkauf durch Rémy Cointreau im Juli 2012. Jeder, der einmal das Vergnügen hatte, mit dem deutschen Markenbotschafter Ewald Stromer zu fachsimpeln oder sogar die Destillerie zu besuchen, kann das bezeugen. Steckt also mehr dahinter als nur Show? Finden wir es heraus!

Fakten-Check Die Bruichladdich „Laddies“ im Tasting

Die Laddies – das Herz von Bruichladdich

Bruichladdich produziert nicht nur den gleichnamigen Whisky*, sondern mit Port Charlotte und Octomore zwei weitere erfolgreiche Whisky-Marken. Octomore steht für stark getorfte Whiskys (bis 309 ppm) während die Abfüllungen der Marke Port Charlotte leicht bis mittelstark getorfte Destillate enthalten. Zugpferd der Destillerie ist aber die Serie „The Laddie“, die die Standardabfüllung ohne Altersangabe sowie – in wechselnder Besetzung – auch einen 8- sowie einen 10-, einen 16- und einen 22-jährigen Whisky umfasst (den 8-jährigen konnte ich für dieses Tasting leider nicht probieren). Doch können die Laddies halten, was das Marketing verspricht?

The Classic Laddie

Bruichladdich - The Classic Laddie
Bruichladdich – The Classic Laddie (Foto über Vodkahaus.de)

Schon bei der in Bourbonfässern gereiften Standardabfüllung kristallisiert sich der Hausstil von Bruichladdich deutlich heraus: Die Laddies zeichnen sich durch einen mittelschweren Körper, eine frische, exotische Fruchtigkeit, Malz, Eiche und ein paar maritime Noten aus. Dieser Grundcharakter wird uns das ganze Tasting hindurch begleiten.

Der Klassiker leuchtet in hellem Goldgelb und ist damit der hellste Tropfen der Serie – was zum einen seinem jungen Alter geschuldet ist, das vermutlich irgendwo zwischen 5 und 10 Jahren liegt. Andererseits kommen vermutlich auch einige Refill-Fässer zum Einsatz, die nicht mehr so viel Farbe abgeben.

In der Nase ist der frische Hausstil deutlich zu erkennen: Ich rieche Honigsüße, Karamell, süßes Malz sowie Zitrusaromen und Heidekraut – doch auch der Alkohol ist deutlich wahrnehmbar. Das zwirbelt schon ordentlich in den Nasenlöchern. Insgesamt ein sehr jugendliches Bouquet – geradezu stürmisch.

Auch im Mund lässt der Jungspund von Bruichladdich seine Muskeln spielen. Auf der Zunge ist er scharf, erfrischend und beinahe schon prickelnd. Süßes Malz, frische Früchte sowie etwas Würze und Eiche münden in einen wärmenden, mittellangen Abgang. Der klassische Laddie ist ein süffiger, frischer aber noch nicht ganz ausgereifter Whisky. Ein Hitzkopf, der nicht ohne Fehler ist.

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The Laddie Ten

Der zehnjährige von Bruichladdich darf in erstbefüllten Bourbon-, Sherry- und Rotweinfässern reifen. Das sieht man schon an der Farbe, denn ein leichter Rotstich aus den Weinfässern verleiht dem Whisky eine schöne Bernsteinfarbe.

Die Nase ist wieder sehr frisch, jedoch weit weniger stürmisch als beim Classic Laddie. Diesmal überwiegen fruchtige Aromen mit viel Orange sowie Malz und ein paar maritime Noten. Auch der Alkohol ist besser eingebunden.

Im Mund dann eine kleine Überraschung: Während der Classic Laddie in seinem jugendlichen Leichtsinn scharf und wild daherkam, brennt der Zehnjährige anfangs fast gar nicht. Trotz seiner 50 Vol.-% Alkoholgehalt ist er erstaunlich mild, cremig und süß. Erst allmählich gibt der Alkohol sein Stelldichein. Ich schmecke wieder Malz und Zitrone sowie etwas Würze und trockene Eichennoten. Im Abgang rückt die Eiche dann stärker in den Vordergrund, bevor der Whisky mit einem trockenen Sherry-Finish schließt.

Die 10-jährige Bruchladdich-Abfüllung hat ihre Sturm-und-Drang-Zeit hinter sich. Sie ist vielseitiger und zugleich ausgeglichener als ihr jüngerer Bruder, auch wenn dessen jugendlicher Charme noch deutlich erkennbar ist.

The Laddie Sixteen

Steigern wir uns nun noch einmal um sechs Jahre und probieren die 16-jährige Abfüllung von Bruichladdich, die ausschließlich in erstbefüllten Bourbon-Fässern reift. Auch der 16-jährige leuchtet in schönen Bernsteintönen.

Der Geruch fällt diesmal um einiges fruchtiger aus. Es gibt viel zu entdecken: Frische exotische Früchte wie Orange und Kiwi harmonieren mit Mandelaromen, Karamell und Eiche. Im Hintergrund weht hin und wieder eine Seeluftbrise vorbei.

Probiert man einen Schluck, fällt zuerst der äußerst mundfüllende Antritt auf, der alle Geschmacksknospen aktiviert – ein letztes Aufbäumen der wilden Jugend. Kurz darauf dominiert die Süße aus den Bourbonfässern mit üppigen Vanille- und Karamellnoten, bevor sich Früchte, Honig und ein paar ungezähmte Salz- und Meernoten die Ehre geben. Auch der Abgang ist vielschichtig und bleibt noch lange am Gaumen hängen. Die zusätzlichen sechs Jahre Fassreifung tun dem Bruichladdich gut und machen aus dem wilden Jungsporn einen eleganten Whisky.

The Laddie Twentytwo

Zuletzt nun das Flaggschiff von Bruichladdich: der Laddie 22. Überraschender Weise ist seine Farbe heller als die des 16-jährigen, was wohl daran liegt, dass neben erstbefüllten auch zweitbefüllte Bourbon-Fässer zum Einsatz kommen.

Auch das Bouquet ist zunächst etwas langweilig, fast unspektakulär. Doch beim zweiten Mal Schnuppern dreht er den Regler auf 11 hoch. Auf einmal verströmt der Whisky eine pappige Honigsüße sowie Mandel-, Karamell- und Fruchtaromen (Banane, Orange, Kiwi). Dazu kommen noch Malz und Eiche, alles stets im Wandel, sodass es nie langweilig wird.

Spannend geht es auf der Zunge weiter. Der Laddie 22 ist äußerst geschmeidig und um einiges milder als seine jüngeren Geschwister. Seine wilde Jugend, die selbst beim 16-jährigen noch ab und an aufblitzte, hat der 22-jährige endgültig hinter sich gelassen. Der Methusalem der Bruichladdichs schmeckt nach viel Vanille und Karamell, dazu gibt’s schöne Eichennoten, die langsam intensiver werden. Süße und Holz werden durch eine tiefe Fruchtigkeit und einige maritime Noten ergänzt.

Der Abgang ist schließlich elegant, harmonisch und sehr lang. Der 22-jährige ist ein Brett! Er ist definitiv der vielseitigste und interessanteste aller Laddies. Wofür ich ihn aber am meisten schätze ist, dass er trotz seines hohen Alters und seiner üppigen Aromatik nie überfordert. Er ist vor allem eines: verdammt süffig!

Die Philosophie von Bruichladdich

Ein Whiskyfass vor der Bruichladdich-Destillerie
Whisky mit Aussicht vor der Bruichladdich Distillery (Foto: Wikimedia Commons)

Natürlich hat die Geschichte, die eine Destillerie erzählt, einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, wie wir einen Whisky wahrnehmen. Wer, so wie ich, besonders empfänglich für gutes Storytelling ist, meint unweigerlich das zu schmecken, was ihm die Marketingprofis auf dem Rücketikett erzählen. Ja, ich geb’s zu: auch CaptainKorn ist ein Marketingopfer… Doch das Marketing muss man hinterfragen.

Wie ist das nun bei den Laddies? Bruichladdich versteht es, die Werbetrommel zu rühren und tolle Stories zu erzählen. Aber Story und Qualität ergänzen sich in diesem Fall sehr gut. Die so oft beschworene Authentizität ist bei Bruichladdich nicht bloß ein Marketing-Claim, sondern äußert sich in gelebter Tradition und Whisky-Enthusiasmus, den man schmeckt.

Die Laddies sind allem voran ehrliche, ungekünstelte, lebendige Whiskys. Während der Classic noch wild, jugendlich und nicht ganz fehlerlos daherkommt, werden seine Geschwister mit zunehmendem Alter komplexer, vielschichtiger und eleganter. Doch alle Laddies eint meiner Meinung nach vor allem eines: Sie machen großen Spaß – und das ist doch, worauf es ankommt.

Leider steigt mit zunehmendem Alter nicht nur die Eleganz, sondern auch der Preis der Whiskys. Preis-Leistungs-Verhältnis – noch so ein Erfolgsfaktor. Für das 22-jährige Flaggschiff muss man leider schon einige Scheine hinblättern.

Disclaimer: Ich habe mir die im Artikel behandelten Spirituosen selbst von eigenem Geld gekauft. Es handelt sich um eine unabhängige Beschreibung und Bewertung des Produkts. Trotzdem deklariere ich den Artikel hiermit sicherheitshalber als unbezahlte Werbung. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links (mit * gekennzeichnet).

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