Brand, Wasser, Geist – Was ist der Unterschied?

Die Williamsbirne ist beliebter Grundstoff für feine Obstbrände
Die Williamsbirne – beliebter Grundstoff für feine Obstbrände

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nach einer Weile braucht er auch einen Drink,“ erkannte der Autor und Regisseur Woody Allen mal ganz richtig. Wer nicht nur von Brot lebt, sondern sich gerne deftige Speisen in heiterer Runde gönnt, greift nach dem Mahl gerne zum Verdauungsschnaps. Vor allem Obstbrände sind beliebte Digestifs, stellen Genießer aber vor die Qual der Wahl. Denn es gibt nicht nur unzählige Sorten, unter anderem hergestellt aus Äpfeln, Birnen, Kirschen, Quitten und was der Obstgarten sonst noch so hergibt. Es gibt auch verschiedene Herstellungsverfahren und Qualitäten. Klar, allesamt sind Spirituosen aus Obst. Aber was genau ist der Unterschied zwischen Brand, Wasser, Geist und Co?

Schnaps

Schnaps hat sich mittlerweile als Überbegriff nicht nur für Obstbrände, sondern auch für Spirituosen im Allgemeinen eingebürgert. Umgangssprachlich werden sämtliche Spirituosen, wie z.B. Wodka oder Gin, gerne als Schnaps bezeichnet. Prinzipiell sagt das Wort aber weder etwas über den Inhalt, noch über die Art der Spirituose aus. Das Wort stammt vom niederdeutschen „Snaps“ ab, was so viel heißt wie „ein Schluck“ oder „ein Mund voll“. Zudem ist Snaps verwandt mit dem Wort „schnappen“. Das Wort Schnaps bezieht sich also auf die Tatsache, dass man viele Spirituosen in kleinen Gläsern serviert und meist mit einem einzigen Schluck austrinkt. Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken!

Brand

Ein Obstbrand ist ein qualitativ hochwertiges Produkt, dessen Herstellung dem Brenner einiges an Können abverlangt. Ein Obstbrand wird ausschließlich aus frischen, vergorenen Früchten oder aus vergorenem Most hergestellt. Für die Herstellung eines Obstbrands wird das jeweilige Obst nach der Ernte zunächst aussortiert und gewaschen. Blätter, Stängel und Kerne werden so gut wie möglich entfernt, da sie einen unerwünschten Beigeschmack erzeugen können. Anschließend wird das Obst zerkleinert. Zu dieser Maische gibt man nun Hefe, damit die Gärung einsetzt. Während der Gärung wandelt die Hefe den Fruchtzucker zu Alkohol und Kohlendioxid um. Danach hat die Maische einen Alkoholgehalt zwischen 10 und 15 Vol.-%. Diese vergorene, leicht alkoholische Fruchtpampe wird nun in eine Brennblase gegeben und mehrfach destilliert – fertig ist der Obstbrand!

Wasser

Ein Obstwasser ist im Grunde dasselbe wie ein Obstbrand. In manchen Gegenden, wie in großen Teilen Bayerns, wird für Brände aus Steinobst die Bezeichnung „Wasser“ bevorzugt – z.B. Kirschwasser. Die Herstellung erfolgt auf die gleiche Weise wie beim Obstbrand.

Geist

Der Begriff „Geist“ lässt Übersinnliches vermuten – doch die Herstellung ist keine Hexerei. Geist unterscheidet sich von Brand dadurch, dass das Obst nicht vergoren, sondern in Alkohol mazeriert wird. Für die Herstellung von Obstgeist werden unvergorene Früchte in hochprozentigen Neutralalkohol eingelegt. Der Alkohol entzieht den Früchten ihre Aromen. Wenn der Alkohol den Geschmack der Früchte aufgesogen hat, wird er destilliert – der „Geist“ der Früchte wird aufgefangen. Geist wird v.a. aus Früchten hergestellt, die wenig Fruchtzucker enthalten und sich deshalb nicht zum Maischen und Gären eignen, wie z.B. Beeren oder Nüsse. Auch leicht verderbliches Obst, das schnell zu verschimmeln droht, wird bevorzugt als Geist destilliert.

Obstler

Ein Obstler ist ein Obstbrand oder -geist, der aus zwei oder mehreren Obstsorten destilliert wird. Der klassische Obstler wird aus Apfel und Birne destilliert. Aber auch andere Kombinationen sind möglich. 

Spirituose

Die Obstspirituose besteht aus herzlich wenig Obst und ist deshalb am unteren Ende der Qualitätsskala anzusiedeln. Pro 20 Liter Alkohol müssen nur 5 kg Obst verwendet werden. Das wenige Obst wird zerkleinert und in großen Mengen hochprozentigem Neutralalkohol eingemaischt. Diese Mischung wird anschließend destilliert. Außer dem verwendeten Obst dürfen zusätzlich noch natürliche Aromastoffe und Aromaextrakte sowie Zucker zur Geschmacksverstärkung verwendet werden. Charakter und Farbe des Produktes müssen jedoch von der verwendeten Frucht bestimmt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, Obstbrand mit Neutralalkohol zu strecken, z.B. 20 % Apfelbrand mit 80 % Kornbrand. Diese Mischung darf nicht als „Brand“ verkauft werden, sondern muss als „Spirituose“ gekennzeichnet sein. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.