Altersbezeichnungen bei Cognac

Ein Glas Cognac
Die Altersbezeichnungen bei Cognac sind leider oft kompliziert – aber zumindest schmeckt er gut.

Jeder kennt ihn aber kaum einer (den ich kenne) trinkt ihn. Die Rede ist von Cognac, dem Edelweinbrand aus der Charente. Dass er oft in den Regalen verstaubt, liegt am Altherrenimage, das ihm hierzulande anheftet. Cognac – das trinkt Opa beim Skatspielen mit seinen Kumpels von der Seniorenliga. Auch im Club gewinnt man keinen Preis für Coolness, wenn man weinbrandschwenkend an der Bar baggert. Außerdem schreckt viele ab, dass Cognac für Einsteiger nur schwer zugänglich ist. Denn auf den Etiketten findet man eine Unzahl verschiedenster Altersbezeichnungen – da verliert man schnell den Überblick. Deswegen machen viele einen weiten Boden um den Edelweinbrand. Schade, denn er ist eine faszinierendsten Spirituosen, die es gibt.

Wie also damit umgehen? Fest steht, dass jeder Cognac ein Weinbrand ist – also ein Destillat aus Wein. Zudem darf er ausschließlich in der Region um das namensgebende Städtchen Cognac im Westen Frankreichs hergestellt werden. Soweit alles klar! Steht man vor dem Spirituosenregal, ist es aber meist vorbei mit der Klarheit und das Kopfzerbrechen beginnt. Was heißt V.S.O.P, Hors d’âge oder Napoléon?

Das Alter eines Cognacs – eine komplizierte Sache

Seltsame Bezeichnungen wie V.S.O.P, Hors d’âge oder Napoléon verraten euch etwas über das Alter eines Cognacs. Das wird nämlich meist nicht mit Zahlen angegeben, wie man es z.B. beim Whisky kennt. Zwar gibt es auch Jahrgangs-Cognacs oder Einzelfassabfüllungen, bei denen der Jahrgang auf dem Etikett angegeben wird, aber diese sind selten und werden meist nur von kleinen Herstellern angeboten. Darüber hinaus wird es kompliziert. Denn das Thema Alter ist bei Cognac etwas heikel. Cognac ist meistens ein Verschnitt verschiedener, unterschiedlich alter Destillate. Es wird deshalb immer das Alter des jüngsten im Verschnitt enthaltenen Destillats angegeben – was die Sache kompliziert und undurchschaubar macht. Folgende Bezeichnungen haben sich etabliert:

  • V.S. steht für Very Special und bezeichnet einen Cognac, der mindestens zwei Jahre lang in Eichenfässern gelagert wurde. Somit ist V.S. die jüngste Cognac-Kategorie. Da die Bezeichnung aber nur das Alter des jüngsten im Verschnitt enthaltenen Cognacs angibt, können auch Destillate enthalten sein, die älter als zwei Jahre sind. V.S.-Cognacs können auch mit Sélection, de Luxe oder mit *** (drei Sternen) gekennzeichnet sein.
  • Cuvée Supérieure, Grande Sélection und ***** (fünf Sterne) bezeichnet Cognacs, die mindestens drei Jahre im Eichenfass lagern durften.
  • V.S.O.P. steht für Very Special Old Pale. Dieser Cognac von „vornehmer Blässe“ ist ein Verschnitt, dessen jüngster Bestandteil mindestens vier Jahre alt ist. Tropfen dieser Alterskategorie werden auch als V.O. (Very Old), Vieux (französisch für alt) oder Réserve bezeichnet.
  • Cognacs mit der Bezeichnung V.V.S.O.P., Grande Réserve und Private Réserve sind nochmal etwas älter, nämlich mindestens fünf Jahre – quasi die Reserve der Reserve.
  • X.O., also Extra Old, ist die älteste Kategorie. X.O.-Cognacs sind mindestens 10 Jahre alt (bis April 2018 mussten sie nur 6 Jahre alt sein).
  • X.X.O. ist eine neue aber gleichzeitig auch eine wiederentdeckte Kategorie. Hennessy hat bereits Ende des 19. Jahrhunderts einen X.X.O.-Cognac abgefüllt, die Kategorie hat sich aber lange nicht offiziell durchgesetzt. Seit Juli 2018 ist X.X.O. nun endlich eine anerkannte Cognac-Sorte, die mindestens 14 Jahre lang reifen muss.
  • Andere gängige Altersbezeichnungen sind Napoléon, Extra, Royal, Très Vieux und Vielle Réserve. Das Mindestalter dieser Cognacs liegt meist zwischen V.S.O.P. und X.O. – also zwischen 4 und 10 Jahren.
  • Als Hors d’âge werden besonders alte, exklusive Cognacs bezeichnet. Das Mindestalter dieser Verschnitte liegt meist weit über 10 Jahren – was sich nicht nur im Geschmack, sondern auch im Preis wiederspiegelt.

Wie mit Cognac umgehen?

X_Cognac
XO-Cognac aus dem Hause La Mothe

Wie soll man nun mit dieser Unmenge an unterschiedlichen Bezeichnungen umgehen? Natürlich kann man mit Fachbegriffen um sich schmeißen, um möglichst klug zu klingen: „Ich bevorzuge meinen Cognac Très Vieux, denn Cuvée Supérieure ist mir zu öde.“ Damit lockt man aber niemanden hinterm Tresen vor, sondern erntet höchstens einen ungläubigen Blick vom Barkeeper. Am Ende schlürft man seinen Cognac alleine in einer Ecke – keiner mag Angeber.

Am besten merkt man sich die offiziellen Altersbezeichnungen V.S., V.S.O.P. und X.O. sowie Hors d’âge. Diese findet man am häufigsten auf Flaschen. Auch für die meisten Fachgespräche ist das ausreichend. Über die restlichen Bezeichnungen stolpert man eher selten. Orientiert euch also an diesen vier Kategorien, wenn Ihr das nächste Mal vor dem Spirituosenregal steht. Traut Euch ruhig, dieses grandiose Getränk zu probieren.

In den USA hat Cognac übrigens ein ganz anderes Image als bei uns. Seit Busta Rhymes 2001 „Pass the Courvoisier“ rappte (Courvoisier ist eine bekannte Cognac-Marke*), genießt der Weinbrand Kultstatus bei Hip-Hop-Fans. Mittlerweile gehört es zum guten Ton, wenn sich Rapper das Zeug in ihren Musikvideos literweise in die Rüstung kippen.  Eine Literflasche V.S.-Cognac in den Rinnstein zu kippen, erhöht hierzulande allerdings nicht die Street Credibility.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.