Alles über Cask Strength Whisky

Viele Whiskyfässer
Direkt aus dem Fass in die Flasche – das ist Cask Strength

Cask Strength, Barrel Proof, Barrel Strength… Whisky in Fassstärke hat viele Namen – und er ist angesagt. Hochprozentiger Whisky liegt im Trend, denn die Nachfrage nach Spirituosen von hoher Qualität und unverfälschtem Geschmack nimmt unentwegt zu. Deshalb bieten immer mehr Brennereien Cask-Strength-Abfüllungen an. Aber was heißt Cask Strength überhaupt? Was steckt hinter dem Trend? Und wie trinkt man fassstarken Whisky? Hier erfährst du alles, was du über Cask Strength Whisky wissen musst.

Was ist Cask Strength Whisky?

Prinzipiell ist die Sache ganz einfach: Wird ein Whisky nach der Lagerung vom Fass direkt unverdünnt in die Flasche gefüllt, ist er ein Cask Strength Whisky.

Die wahre Frage ist also: Wie stark ist Cask Strength Whisky? Das ist leider nicht so simpel. Denn es gibt keinen bestimmten Alkoholgehalt, ab dem ein Whisky als fassstark gilt. Der Alkoholgehalt des Whiskys nach der Lagerung ist abhängig von vielen Faktoren.

Wie die Whisky-Reifung mit dem Alkoholgehalt zusammenhängt

Generell hat das Destillat nach dem Brennen einen Alkoholgehalt von etwa 70 Vol.-%. Was jetzt folgt, ist einer der wichtigsten Arbeitsschritte bei der Whiskyherstellung: die Fasslagerung. Dafür wird das Destillat in Holzfässer gefüllt, wo es in Ruhe reifen darf, um zu Whisky zu werden.

Während des Reifeprozesses reagiert der Whisky mit dem Fass und seiner Umwelt. Er nimmt Geschmack und Aromen aus dem Holz auf, gibt aber auch Alkohol und Wasser an die Luft ab. Wieviel Wasser und Alkohol jeweils verloren geht, ist u.a. klimaabhängig. In Schottland verdunstet zum Beispiel deutlich mehr Alkohol als Wasser, weil das Klima dort relativ feucht und kühl ist. Im Gegensatz dazu verliert Whisky in den USA mehr Wasser, weil es trockener und wärmer ist als in Schottland ist.

Wieviel letztendlich verdunstet, hängt von vielen Faktoren ab. Die Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit spielen ebenso eine Rolle wie die Bauart und Lage des Lagerhauses sowie die Größe, das Alter und die Art des Fasses. Zuletzt trägt auch noch die Reifezeit ihren Teil bei. Je länger der Whisky im Fass ist, desto mehr Alkohol und Wasser geht natürlich verloren.

Fassen wir zusammen: Je nach Reifezeit, Fassart, Klima und anderen Einflüssen verliert Whisky einen gewissen Prozentsatz Alkohol und Wasser. Dadurch verändert sich der Alkoholgehalt des Brands. Was heißt das für unseren Cask Strength Whisky? Je nachdem, wie lange er wo reifte, kann der Alkoholgehalt des Whiskys, wenn er aus dem Fass kommt, zwischen 70 und 40 Vol.-% schwanken.

Cask Strength Whisky kann also zwischen 40 und 70 Vol.-% stark sein. (40 Vol.-% sind das ist das Minimum, denn so stark muss Whisky per Gesetz mindestens abgefüllt werden).

Ein Beispiel: In Schottland verdunsten pro Jahr etwa 0,5 bis 1 Prozent Alkohol. Wird ein Destillat mit 70 Vol.-% abgefüllt und lagert zehn Jahre lang, hat es am Ende noch etwa 60 bis 65 Vol.-%. Wird dieser Whisky genauso abgefüllt und nicht mehr verdünnt, darf er sich Cask Strength nennen.

Wieso gibt es Cask Strength Whisky?

Ein Whiskyfass
Reiner Whisky direkt aus dem Fass – das freut den Kenner

Whisky-Liebhaber wollen den echten, unverfälschten Geschmack ihrer Lieblingsspirituose genießen. Deshalb bevorzugen viele einen Whisky in Fassstärke, denn dieser wird nicht verdünnt. Cask Strength Whisky ist also unverfälscht – vor allem dann, wenn es sich um eine Einzelfassabfüllung handelt, also um eine Flasche, die nur aus einem einzigen Fass stammt und nicht verschnitten wurde.

Aber wenn Cask Strength Whisky so toll ist, wieso werden die meisten Whiskys dann vor dem Abfüllen mit Wasser verdünnt? Das hat mehrere Gründe. Jedes Fass produziert Whisky, der anders schmeckt. Je nach Platz im Lagerhaus, Qualität des Fasses etc. kann sich der Geschmack von Fass zu Fass unterscheiden – selbst wenn dasselbe Destillat eingefüllt wurde. Bekannte Whiskymarken wollen ihren Kunden aber einen gleichbleibenden, typischen Markengeschmack bieten. Deshalb verschneiden sie den Inhalt mehrerer Fässer miteinander und verdünnen die fertige Mischung mit Wasser. So gelingt ein immer gleich schmeckendes Produkt.

Außerdem kommt verdünnter Whisky den Hersteller günstiger. Denn für jeden Liter reinen Alkohol, den er herstellt und verkauft, muss er steuern zahlen. Wenn er seinen Alkohol also mit 40 statt 60 Vol.-% Alkoholgehalt verkauft, muss er weniger Steuern an den Fiskus zahlen. Verdünnen spart Geld.

Aber das Verdünnen hat auch Nachteile. Wenn man Wasser in den Whisky gibt, verfälscht es den Geschmack – es macht den Whisky dünner und milder. Die meisten Abfüllungen, die im Handel erhältlich sind, haben einen Alkoholgehalt von 40 bis 46 Vol.-%.

Zudem wird Whisky, der unter 46 Vol.-% abgefüllt wird, oft kaltfiltriert. Das macht man, um Verunreinigungen zu entfernen, die Trübungen verursachen, wenn der Spirit gekühlt oder Eis hinzugefügt wird. Während das angeblich nur aus kosmetischen Gründen geschieht, argumentieren einige Whisky-Kenner, dass durch die Filtration Aromen und Öle entfernt werden, die den Geschmack beeinflussen. Ein Alkoholgehalt über 46 Vol.-% verhindert die Trübung von Natur aus, weshalb hochprozentiger Whisky und Cask Strength Whisky nicht extra kaltfiltriert werden.

Zusammengefasst: Cask Strength Whisky besitzt noch alle Aromen, Öle und Geschmacksstoffe, die bei herkömmlichen Abfüllungen entfernt oder verdünnt werden. Whisky in Fassstärke ist also the Real Deal. Deswegen ist er unter Whiskykennern so beliebt.

Wie trinkt man Cask Strength Whisky?

Whisky in Gläsern
Wie trinkt man fassstarken Whisky?

Whisky wird unter anderem auch verdünnt, weil er in Fassstärke ziemlich scharf und alkoholisch schmeckt. Ehrlich gesagt, finde ich Cask Strength Whisky pur kaum genießbar. Außerdem betäubt Alkohol die Geschmacksnerven und überlagert andere Aromen – und ich will beim Trinken schließlich was schmecken.

Klar, mancher „Profi“ wird mir jetzt widersprechen: „Ich trinke Whisky nur in Fassstärke, bla bla bla…“. Klar, jeder darf seinen Whisky so trinken, wie er will. Aber die Pur-Trinker sind leider auch oft die unaufgeschlossenen Trinker, die Whisky nie im Leben mixen würden, die nur trinken, was mindestens 16 Jahre lang gereift ist oder nur Single Malt Scotch mögen, weil „alles andere nicht schmeckt“. Leute, Euch entgeht eine Menge Spaß und Genuss! Aber das ist eine andere Geschichte…

Weil Cask Strength Whisky – meiner Meinung nach – zu stark und alkoholisch ist, um ihn pur zu genießen, solltest du ihn verdünnen. Dabei gilt: So viel Wasser, wie nötig. Du selbst bestimmst, wie dir der Whisky am besten schmeckt. Fange deswegen mit ein paar Tropfen an und steigere dich, bis du das gewünschte Mischverhältnis erreicht hast. Dafür kannst du eine Pipette oder eine kleine Karaffe verwenden.

Welches Wasser solltest du verwenden? Der „Profi“, den wir weiter oben bereits kennengelernt haben, verdünnt seinen Cask Strength Whisky – wenn überhaupt – nur mit sündhaft teurem Quellwasser aus der Brennerei-eigenen Quelle. Wenn er meint… Das Geld kannst du dir aber sparen. Alternativ bietet sich nämlich auch ein gutes, weiches Wasser wie Evian oder Volvic an. Natürlich kannst du auch Leitungswasser verwenden. Doch ist das Wasser sehr hart und kalkhaltig, kann es den Geschmack negativ beeinflussen.

Wieso ist Cask Strength Whisky so angesagt?

Warum sind Whiskys in Fassstärke heute so beliebt? Zunächst mal musst du wissen, dass dieser hochprozentige Trend nicht nur auf Whisky beschränkt ist, sondern auch andere Spirituosenarten betrifft. Auch bei Rum, Gin und Co werden hochprozentige Abfüllungen immer beliebter, z.B. Cask Strength Rum oder Navy Strength Gin.

Ich glaube, der Grund liegt in dem, was ich gerne als „Genuss-Trend“ bezeichne. Menschen legen heute mehr denn je Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit. Das fängt bei hochwertigen Nahrungsmitteln an, z.B. in Bioqualität oder Fairtrade-zertifiziert oder handgefertigt – Stichwort „Craft“. Der Genuss-Trend wirkt sich aber auch auf den Spirituosenbereich aus. Denn Leute sind heutzutage bereit, für hochwertige Qualität und handgemachte Produkte mehr Geld auszugeben, als noch vor ein paar Jahren. Für das viele Geld erwarten sie jedoch einen einzigartigen, authentischen und unverfälschten Geschmack. Cask Strength Whisky bietet genau das: Er ist unverfälscht und pur.

Um uns qualitätsbewussten Genießern unverfälschte Produkte höchster Güte zur Verfügung zu stellen, entschließen sich immer mehr Hersteller, eigene Cask-Strength-Abfüllungen und Sondereditionen in Fassstärke auf den Markt zu bringen. Diese Spirits sind leider nicht immer günstig. Es gibt aber ein paar Cask Strength Whiskys, die auch für den kleinen Geldbeutel leistbar sind.

Gute und günstige Cask Strength Whiskys

The Ileach Cask Strength

Ileach Cask Strength Whisky
Ileach Cask Strength Whisky* (Bild über Vodkahaus.de)

Der Ileach Cask Strength* ist ein großer Whisky für kleines Geld. Der Abfüller Highlands & Islands Scotch Whisky Company hat mit füllt diesen Single Malt ab. Aus welcher Destillerie er stammt, verrät er aber nicht – mein Tipp: Lagavulin. Aber egal, aus welcher Brennerei er stammt: er ist lecker, torfig und würzig.

Aberlour A’Bunadh

Aberlour A'Bunadh Whisky
Aberlour A’Bunadh Whisky* (Bild über Vodkahaus.de)

Fruchtig, Sherry-lastig, intensiv. Der Aberlour A‘Bunadh* trägt zwar keine Altersangabe, ist aber dennoch einer der besten Whiskys aus der Aberlour Destillerie. Er wird nicht kühlgefiltert und in Batches mit deren natürlicher Fassstärke abgefüllt. Die Reifung erfolgt ausschließlich in Fässern, die zuvor Oloroso-Sherry enthielten.

Glenfarclas 105

Glenfarclas 105 Whisky
Glenfarclas 105 Whisky* (Bild über Vodkahaus.de)

Nochmal eine Sherry-Bombe. Aber keine Angst, der Glenfarclas 105* ist nicht 105 Vol.-% stark. Trotzdem kommt er auf starke 60 Vol.-% und wird direkt aus den Sherryfässern, in denen er reift, abgefüllt.  

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