Alko-Unwort des Jahres: Alkoholfreie Spirituose

Alkoholfreie Spirituosen gibt es nicht
„Alkoholfreie Spirituose“ ist eine Wortschöpfung, die es nicht geben sollte.

Trink mal drüber nach… In letzter Zeit lese ich immer wieder von „Alkoholfreien Spirituosen“. Prinzipiell ein toller Trend, wäre da nicht das verdammte Marketing… Deshalb ist die „alkoholfreie Spirituose“ schon jetzt mein Spirituosen-Unwort des Jahres.

Ich bin garantiert niemand, der Menschen zum Alkoholtrinken zwingt. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum jemand mal einen Abend lang oder auch generell auf Alkohol verzichtet. Manche mögen den Geschmack nicht, andere denken an ihre Gesundheit, fasten, vertragen keine Spirituosen oder haben einfach keinen Bock drauf. Und dann gibt es ja auch noch die Autofahrer – don’t drink and drive!

Das ist alles vollkommen in Ordnung. Allerdings ist es oft schwierig, auf Alkohol zu verzichten. Denn der gesellschaftliche Druck auf Nichttrinker ist hoch. Oft werden Abstinenzler dann als „Stimmungsmuffel“ oder „Party-Pooper“ gescholten. Um das alkoholfreie Leben einfacher zu machen, haben findige Produzenten deshalb alkoholfreie Alternativen zu beliebten Spirituosen entwickelt. Diese sogenannten „alkoholfreien Spirituosen“ sollen ein Ersatz für Gin und Co sein und auch Nichttrinkern den Genuss von Cocktails, die nicht nur aus pappsüßen Fruchtsäften und Sirup bestehen, ermöglichen.

Alkoholfreie Spirituose – ein Ding der Unmöglichkeit

Diese alkoholfreien Getränke finde ich prinzipiell eine gute Idee! Populär sind momentan z.B. der Seelip Spice 94* oder Whissin, angeblich eine nullprozentige Alternative zu Whisky. So weit, so gut. Aber wieso, um aller Himmelswillen, werden diese Getränke als alkoholfreie Spirituosen vermarktet? Das ist schlicht und einfach falsch und irreführend.

Denn laut Duden ist eine Spirituose ein „stark alkoholisches Getränk“.

Und auch auf Wikipedia ist zu lesen: „Eine Spirituose […] ist eine alkoholische Flüssigkeit, die […] nach aktuellem EU-Recht einen Mindestalkoholgehalt von 15 % Vol. aufweist.“

Spirituosen sind per Definition und EU-Richtlinie immer alkoholhaltig. Es gibt also keine alkoholfreien Spirituosen. Basta! Ebenso falsch sind übrigens Bezeichnungen wie „alkoholfreier Gin“ oder „alkoholfreier Whisky“ – denn, Ihr ahnt es schon, Gin und Whisky sind laut Definition stets alkoholisch.

Auf einer Stufe mit veganer Wurst

Somit stehen die alkoholfreien Spirituosen für mich auf einer Stufe mit „veganer Wurst“ oder „veganem Käse“. Beides ist irreführend, denn Käse muss immer Milch enthalten. Und Wurst ist „ein Nahrungsmittel, das aus zerkleinertem Muskelfleisch, Speck, Salz und Gewürzen, bei bestimmten Sorten auch unter Verwendung von Blut und Innereien zubereitet wird“ (Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse im Deutschen Lebensmittelbuch).

Daher meine Bitte: Liebe Produzenten, bitte hört auf, Eure Erzeugnisse als „alkoholfreie Spirituosen“ zu vermarkten. Denn das ist nicht nur falsch, sondern auch eine irreführende Bezeichnung und schlussendlich Konsumententäuschung.

Eigentlich sollten diese Produkte „destillierte alkoholfreie Getränke“ oder einfacher „alkoholfreie Destillate“ heißen. Denn die Herstellung läuft so: Flüssigkeiten, die mit Kräutern, Wurzeln und Früchten aromatisiert werden, werden destilliert und anschließend verschnitten.

Wer mehr über den Seedlip erfahren will und wissen möchte, wie der schmeckt, findet bei cocktailbart.de diesen schönen Artikel mit Tasting-Notes.

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