Aermoor – Wodka aus Wolken

Aermoor Vodka aus Wolken
Der Aermoor ist ein Wodka aus Wolken – und viel Marketing.

Wodka-Produzenten übertreffen sich gegenseitig mit den unglaublichsten Herstellungsverfahren (und Marketingversprechen). Die Hilton Head Distillery, beheimatet auf Hilton Head Island, einer Insel vor der Küste des US-Bundesstaats South Carolinas, stellt seit Kurzem Wodka aus Wolken her. Jup! – Wodka aus Wolken. Was fantastisch klingt, ist das Ergebnis eines ausgeklügelten und äußerst aufwendigen Herstellungsprozesses. Denn die Destillerie gewinnt das Wasser, das sie für die Herstellung ihres Aermoor Vodkas benötigt, durch Kondensation aus der Luft.

49-mal destilliert?!

Zunächst wird reine Melasse vergoren und ganze 49 (!) mal destilliert, um alle Unreinheiten zu entfernen. Das hochprozentige Destillat wird dann mit dem Wolkenwasser auf 40 Vol.-% verdünnt. Doch warum Wasser aus der Luft? Brennmeister Joe Fenten, der geistige Vater des Aermoor, wollte möglichst sauberes Wasser für seinen Wodka verwenden – oder wie er behauptet: „Das sauberste Wasser der Welt.“ Dafür entwickelte Fenten einen „Luftwasser-Generator“, wie er das System selbst nennt. Der Generator soll reinstes, leicht alkalisches Wasser liefern, das dem Aermoor seinen „reinen, frischen und sauberen Geschmack“ verleiht.

Aber: Braucht’s das? Allein schon die Tatsache, dass der Aermoor unglaubliche 49-mal destilliert wird, ist meiner Meinung nach nicht mehr als ein Marketing-Gag. Geschweige denn die aufwendige Wassergewinnung. Aber irgendwas müssen sich Wodkaproduzenten heutzutage ausdenken, um aus der Masse hervorzustechen, denn im Grunde ist Wodka immer dasselbe:

Getreide oder Melasse werden vergoren, destilliert, gefiltert und mit Wasser verdünnt. Unterschiede zwischen Marken und Herstellern sind oft marginal, wenn überhaupt vorhanden – denn guter Wodka, so sagt man, schmeckt nach fast gar nichts. Also denken sich die Produzenten immer neue Kniffe aus, um ihr Destillat interessant und einzigartig zu machen. Da wird mit Gold, Platin oder Diamant-Kristallstaub gefiltert, dutzendfach destilliert, das Destillat eingefroren, nochmal gefiltert, ins All geschossen… Was weiß ich, was die sonst noch alles anstellen. Am Ende schädelt es sich die Mehrheit der Leute doch eh nur ohne Sinn und Verstand in die Rübe und findet’s geil – bis der nächste Wodka mit noch viel geilerer Markenbotschaft um die Ecke kommt.

Ein Platz in Hipster-Kneipen ist sicher

Der Aermoor wird sicher seinen Platz in den Clubs und Hipsterbuden dieser Welt erobern. Schließlich betont die Hilton Head Distillery, dass der Wodka aus Melasse hergestellt und deshalb absolut glutenfrei ist – ein Bonuspunkt bei der anvisierten Zielgruppe. Außerdem wird kein Wasser verschwendet, sondern sogar eigens welches erzeugt. Bei der ernährungs- und umweltbewussten Klientel könnte der Aermoor deshalb durchaus zum Erfolg werden.

„Weißt Du, Pascal, wir trinken jetzt nur noch glutenfrei. Denn mein Lebensabschnittspartner verträgt diesen Kultur-Weizen ja nicht so gut, sagt der Heilpraktiker.“ „Da brat mir doch einer nen Tofu-Storch, Larissa! Das geht?“ „Ja, Pascal, total! Passt auch perfekt zu unserer veganen Paleo-Diät.“ „Ja, die wussten schon damals im Neandertal von der heilenden Wirkung des Alkohols.“ „Und nachhaltig ist es auch noch, Pascal.“ „Na dann Prost, Larissa. Saufen für den Weltfrieden!“

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